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wia wean si
net Varena
wia wean eantn
wia wean moin
und uns donn
wiida song:
Bockmas!

Gedicht von Sebastian Reiner

Holladero und Bock Ma’s!

Als wir im Februar dieses Jahres bei un­serer Kulturvereins-Vollversammlung beschlossen hatten, dass das heurige Bock Ma’s das letzte werden soll, war es erst mal still in der Runde. Ein langer Prozess war dem voraus gegangen und plötzlich war die Entscheidung da. Schmerzende Nacken, trockene Münder, pfeifende Lun­gen, glasige Augen, betretenes Schweigen – die ganze Palette mit dabei.

Dass sich zwischen der Entscheidung und dem Hier und Jetzt, nämlich wirklich dem letzten Bock Ma’s die Ereignisse noch überschlagen würden, ahnten wir damals natürlich nicht. Aber dazu später noch mehr.

Vorher noch ganz, ganz zurück, näm­lich zum Urknall. Als einen solchen kann nämlich getrost das erste Bock Ma’s („pa­cken wir´s an!“) im Jahr 2005 bezeichnet werden. Als Idee dreier befreundeter Kul­turvereine (Galacticchords aus St. Geor­gen, P.A.G.A.N. aus Frankenburg und die Traumfabrik aus Timelkam) geboren, schlug es bei uns Veranstalter_innen und dem Publikum derart ein, dass klar war, dass das nicht das letzte gewesen sein sollte. Ein Meteorit, wegen dem nachher alle Dinos tot sind, is nix dagegn.
Bock Ma's Konzert
Damit es weitergehen konnte, wurde im Herbst 2005 unser Kulturverein auch richtig ins Leben gerufen – das Sozialfo­rum Freiwerk, das rund um´s Bock Ma’s in all den Jahren gehörig gewachsen ist. Aber auch dazu später noch mehr, Span­nungsbogen und so.

Das erste Bock Ma’s gestaltete sich noch viel kleiner und chaotischer als jetzt. Dann kam das zweite Bock Ma’s, bei dem sich die ersten Know-How-Manifestatio­nen einstellten, wir wurden schlauer. Dann die dritte Runde, die Crew wurde größer, das Festival professioneller, die Stress­resistenz höher, der Spendenertrag hatte sich vervielfacht. Das vierte Bock Ma’s stand bereits im Zeichen von Arbeitsgrup­pen, strukturiertem Projektmanagement und noch mehr Besucher_innen. Das fünfte Bock Ma’ war für uns schon ein kleines Jubiläum, wieder war alles halb­wegs gut gegangen, wieder waren mehr Menschen gekommen, wieder hatten wir neue Herausforderungen gemeistert und noch mehr spenden können.

Und nun haben wir also das sechste und letzte Bock Ma’s. Das letzte ist es, weil die Idee nicht der Routine weichen darf. Weil die Idee auch Respekt ist, den es gegenüber der Natur hier in Altwartenburg zu leben gilt. Weil die Idee andere Projekte geboren hat, denen wir uns nun mehr wid­men können und möchten. Weil die Idee für uns einen Zauber hat, der mit jedem Gewöhnungseffekt weniger wird. Weil die Idee nie die einer Festivalmaschine war und ist.
Bock Ma's Füße
Und was ist die Idee? Da geht’s um Miteinander, DIY-Energie und Gesell­schaftskritik. Da geht’s darum sich nicht den ansozialisierten Horizontschranken hinzugeben. Da geht’s um die Welt, die uns umgibt, sie nicht denen zu überlas­sen, die Angst haben und darauf mit Aus­grenzung reagieren. Da geht’s darum, das Flüchtlingsprojekt von Ute Bock (witziger­weise NICHT an der Namensgebung des Festivals beteiligt) finanziell zu unterstüt­zen, das Menschlichkeit und Menschen­rechte als oberstes Gebot ansieht, was leider all zu oft aus der Mode gekommen ist. Da geht’s darum, ein (das ganze Jahr über) offenes, zu beackerndes Projekt zu sein, das sich auch kritisch mit sich selbst auseinander setzt (ja, wir haben auch miteinander gestritten). Da geht’s darum, weitere Kreise als das eigene Festival und den eigenen Kulturverein zu berühren. Da geht’s um vernetzen, was das Zeug hält. Da geht’s darum, dass auch große Pro­jekte ohne Chef_innen möglich sind. Da geht’s um Spaß, Party und Freude, dies aber gleichzeitig (!) mit kritischen Inputs, mit Denkanstößen und Bewusstseins­erweiterung. Da geht’s darum offen und energisch gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Faschis­mus, Kleingeistigkeit, Engstirnigkeit und Neid aufzutreten. Da geht’s darum, Euch und uns zu motivieren, die Welt, wie sie ist, nicht einfach passiv zu konsumieren sondern sie aktiv mit zu gestalten. DIY eben. Wenn mensch ein Festival aus dem Boden stampfen kann, warum nicht auch ein besseres Miteinander? Und dennoch heißt es hier mal Abschied nehmen. Die Burg ist schlichtweg zu klein, fast am Zer­bröseln und mittlerweile nicht mal mehr reif für eine Veranstaltungsgenehmigung.Und genau wegen dem Sicherheitsaspekt, der u. a. ausschlaggebend für eine Veran­staltungsbewilligung ist, ist das letzte Bock Ma´s nun so, wie Ihr es vor Euch seht. Bei der Burg aber nicht in der Burg, beim Wald, aber nicht im Wald.

Die Entscheidung, das Bock Ma’s auch ohne Burg zu veranstalten, ein Festival auf die Beine zu stellen, dessen Infrastruktur plötzlich völlig anders tickt, das Bock Ma’s im letzten Jahr teilweise neu erfinden zu müssen, fiel uns wahrlich nicht leicht. Schließlich wollten wir uns so, wie Ihr und wir das Bock Ma’s kennen, von all dem verabschieden und schließlich sind drei Wochen kein prickelnder Zeithorizont für ein derartiges Unterfangen! Aber: das Bock Ma’s ist mehr als seine Location. Also JA!, Bock Ma’s auch 2010, auch unter unvorhergesehenen Bedingungen. Wie´s heuer wohl werden wird? Und gibt es für uns (und für Euch, wenn Ihr wollt) ein Kulturarbeitsleben nach dem Bock Ma’s? Ja, das gibt es, keine Sorge. Un­sere anderen Projekte sind gewachsen und werden nun die Aufmerksamkeit kriegen, die sie schon länger verdienen. Unser Online-Vernetzungsprojekt, unser Printmedium Blatthirsch (das Du gerade am Bildschirm siehst), unsere Freien Ra­dio-Sendungen und unser eingereichtes Projekt fürs Festival der Regionen nächstes Jahr in Attnang-Puchheim warten schon auf uns. Alles zu finden auf www.freiwerk.org.

Das, was Ihr und wir beim Bock Ma’s erlebten, erlernten, erarbeiteten, erwirkten und erreichten, nehmen wir dahin mit, das kann uns ja niemensch mehr nehmen.Also. Schön war´s. Danke. Holladero und Bock Ma’s!

Text vom Bock Ma’s Organisationsteam

Es muss was geben! - Auch an der Vöckla

Eine zentrale Erfahrung einer Stadt wie Linz ist, dass du die Dinge selbst in die Hand nehmen musst“, sagt der Musiker und „Seven Sioux“ Frontman Rainer Kris­pel im „FALTER“ Interview, angesprochen auf die Linzer Alternativszene. Eine gleich­zeitig interessante wie wenig überraschen­de Erkenntnis. Aber gilt diese auch analog für Vöcklabruck? Die Antwort liegt auf der Hand. Offenbar war dieser Umstand auch einigen Personen an der Vöckla bewusst, als sie im noch so jungen Jahrtausend – damals unabhängig voneinander – die Fä­den selbst in die Hand nahmen. Was hier vor knapp 10 Jahren ihren Anfang nahm, lässt sich wohl erst postwendend begrei­fen. Fest steht, dass quasi aus heiterem Himmel rund ein Dutzend neue, kulturelle Initiativen innerhalb kürzester Zeit ge­gründet wurden, welche fortan die Region kulturpolitisch beackern sollten. Ein Acker, der im Bezirk Vöcklabruck lange brach lag, mit Ausnahmen wie den kulturellen „Vete­ranen“ im Westen mit „KULIMU“ Franken­burg oder dem „Filmclub Schwanenstadt“ im Osten. Der Ballungsraum an der Vöckla aber, war seit dem Ende von „Brother­hood“ und Co. Anfang der 90iger Jahre (vgl. Blatthirsch #3 hier) beinahe ein schwar­zer Fleck auf der Landkarte. Lediglich Kunstschaffende und die Jugendkulturen von Skater und Rocka- wie Psychobillys sorgten für Frischluft. Gründe genug für den Blatthirsch einen Blick zurück zu wer­fen, auf den Ursprung und das Folgende all dieser Entwicklungen. Dafür wurden insgesamt acht Kulturschaffende aus der Region befragt, um mit ihren An- und Ein­sichten ein möglichst vollständiges Bild zu malen.
Maschek
Ausbruch: Beweggründe, Vereine, Szene
Der erste Fokus dieser kleinen Reise durch die regionale Kulturgeschichte beleuchtet die Gründe für das kulturelle Engagement, quasi den Ausgangspunkt jedweder Ent­wicklung. „Im Kulturbereich engagiere ich mich zum einen aus einem starken per­sönlichem Interesse vor allem an zeitge­nössischer Literatur und an Zeitkultur im Allgemeinen, zum anderen habe ich vor zehn Jahren ein großes Defizit an konti­nuierlich stattfindender Zeitkultur in Vöck­labruck gespürt“, sagt Anna Brandstätter, Obfrau von „4840 Kulturakzente“. Hier ist sie mit ihrer Defiziteinschätzung freilich nicht allein. Diese verortet zum Beispiel auch Elke Holzmann, Obfrau vom „TKV Regau“, wenn sie ihre Motivation kurz und bündig auf den Punkt bringt: „Weil ich dringenden Handlungsbedarf in Vöck­labruck sehe.“ Ähnlich beschreibt Gerald Streicher vom Verein “Cultural Boarders“ seine Beweggründe: „Weil es ja irgend­wer tun muss, ansonsten würden wir ja kultur- und vor allem musiktechnisch im absoluten Kommerz ertrinken. Und ich bin wirklich froh, dass es doch einige Men­schen gibt, die sich das antun und auch ständig neue dazukommen.“ Mit einem kulturpolitischen Ansatz antwortet Josef Gebetsroither, einer der Kunst- und Kultur­haus SprecherInnen, wenn er sagt: „Weil Kultur nach wie vor der Ort ist, an dem im Sinne von Aufklärung, Denken, Kreativität und Freiheit zu Hause sind. Und um die­se Freiräume zu ermöglichen bedarf es jeden/r Einzelnen/r.“ Als Hauptgründe für die erfolgten Vereinsgründungen werden unter anderem „ein Zusammentreffen mit Gleichgesinnten“, „der Zugang zu öffent­lichen Förderungen“, „die Chance etwas zu bewegen, die fehlende Location für die freie Szene und die Alternativkultur“ so­wie „das Stellen von Veranstaltungen auf rechtliche Beine“ angeführt.
Franzobel
So verwandt und teilweise banal die Beweggründe für regionale Kulturarbeit auch sein mögen, umso differenzierter sind deren Schwerpunkte, Ausprägungen und Zielgruppen in der Praxis. Während Kulturvereine wie „KAV Vöcklamarkt“, „TKV Regau“ oder „Kulturella Ottnang“ als genreübergreifende, zeitkulturelle Nahver­sorger bezeichnet werden können, haben sich Kulturvereine wie „4840 Kulturakzen­te“ oder „Zangla Sound“ auf ihre Bereiche Literatur beziehungsweise elektronische Musik spezialisiert. Daneben haben der „Kulturverein Sozialforum Freiwerk“ oder das „Theater Hausruck“ einen starken gesellschaftspolitischen Kulturbegriff ausgeprägt, welcher Selbstermächtigung, Beteiligungsmöglichkeiten und themenbe­zogene Auseinandersetzung groß schreibt. Darüber hinaus existieren mit „Sunshine­booking“ und „Cultural Boarders“ zwei Initiativen, welche jeweils aus ihren ju­gendkulturellen Bewegungen entstanden sind und ihr Handeln danach ausrichten. Selbst ohne einen Anspruch auf Vollstän­digkeit an dieser Stelle erheben zu wollen, ließe sich schon anhand dieser genannten Beispiele eine heterogene, umtriebige Kulturszene erkennen. Doch sieht sie sich auch selbst als solche? Und kann sie mit der im Urbanen dafür üblichen Bezeich­nung „Freie Szene“ identifizieren? „Die freie Kulturszene gibt es zweifellos, sie braucht nur noch eine Verortung“, ist Anna Brandstätter überzeugt. „Natürlich gibt es in VB immer noch eine freie Kulturszene, obwohl versucht wird, diese permanent zu verhindern – siehe Reglementierung Bock Ma‘s. Aber vielleicht gerade deshalb ver­traue ich darauf, dass sie weiterhin wach­sen und sich vernetzen wird“, ist sich Jo­sef Gebetsroither sicher. Dem gegenüber antwortet Andreas Willstorfer, Gründer des mittlerweile im „Freiwerk“ aufgegan­genen „Kulturverein Traumfabrik“: „Frei ist ein Begriff, der schwammig definiert ist. Einerseits sind die Türen zur Szene, konservativ sowie alternativ, offen. Ande­rerseits sind die Betätigungsfelder sehr limitiert, innovative Ideen werden auch von behördlicher Seite oft im Keim erstickt.“ Mit ähnlichen Augen bewertet Gerald Streicher den Begriff „Freie Szene“ wenn er sagt: „Das kommt drauf an wie man freie Kulturszene interpretiert. Für mich gibt es keine wirklich freie, da alles doch immer wieder auf den guten Willen der Politik hinausläuft und man somit immer abhängig ist. Was es aber gibt ist eine viel­fältige Kulturszene und vielleicht schaffen wir es uns unabhängiger zu machen und uns zu befreien.“ Obwohl schon die Eigen­wahrnehmung – auch im Hinblick auf die anderen Befragten – auf die Existenz einer ausgeprägten Kulturszene schließen lässt, spricht die Wahrnehmung von außen eine noch klarere Sprache. So meint beispiels­weise Evelyn Ritt, Programmkoordinatorin beim Freien Radio Salzkammergut (FRS): „Eindeutig: ja, aus meiner Sicht gibt es in und rund um Vöcklabruck so was wie eine freie Kulturszene. Glücklicherweise. Leute, die zusammenhalten und, wenn es drauf an kommt auch in anderen Bundesländern aktiviert werden können, mit einem Kern an Aktiven und gut Vernetzten in VB. Zur Vernetzung tragen sicher auch KUPF In­novationstopf Projekte wie Freieszene.org, das Radionest im OTELO oder das Bock Ma‘s bei.“
David Lipp
Aufbruch: Entwicklungen, Hürden und Nährboden
Womit wir beim nächsten Kapitel wären. Die Entwicklung dieser Kulturszene ge­schah nämlich nicht von heute auf mor­gen. Sie war ein äußerst lebendiger Pro­zess, der in keinem Fall linear erfolgte. Einige Hauptgründe für die Ausprägung einer selbst bestimmten Szene sind offen­sichtlich, andere werden im Unbewussten verborgen bleiben. Einer der zentralen Punkte trägt den Namen Vernetzung. Die­se erlebte insbesondere durch den Zu­sammenschluss dreier Kulturvereine zur Abwicklung des Bock Ma‘s Festivals einen bis dahin nie da gewesenen Aufwind (vgl. Blatthirsch #3 – Bock Ma‘s Special), wel­cher schließlich auch in der Interessens­gemeinschaft für ein Kunst- und Kultur­haus mündete. Gelebter Austausch, Teilen von Ressourcen und Know-how sind die Schlagworte einer gelebten Praxis, welche nicht zuletzt durch die Einbindung neuer Kommunikationsformen wie das Internet begünstigt wurden. Die KUPF Kampagnen „Kulturarbeit ist Arbeit“ und „Kulturarbeit muss zumutbar sein“ trugen ebenso wie die politischen Hürden unter anderem Vorzeichen ihriges zu den Prozessen bei. Aber welche Entwicklungen der letzten 10 Jahre empfinden die befragten Kul­turschaffenden im Speziellen als positiv, welche als negativ? Gerald Streicher ant­wortet darauf: „Positiv zu erwähnen ist vor allem die Vernetzung der Kulturinitiativen im Bezirk, welche in den letzten Jahren stattgefunden hat und mittlerweile Früchte trägt. So wurde aus vielen kleinen Verei­nen eine relativ große Lobby, welche auch auf die Politik anderen Druck ausüben kann und diesen auch mehr ausüben sollte. Denn wie die Politik mit der Alter­nativ- bzw. Gegenwartskultur umgeht, wie sie stellenweise richtiggehend verhindert wird, ist sicher die negativste Entwicklung der letzten Jahre.“ Eine ähnlich Meinung hat Anna Brandstätter: „Die positive Ent­wicklung der letzten Jahre ist ganz klar die Entstehung vieler freier Kulturinitiativen in und um Vöcklabruck und die damit ver­bundene legitime Forderung nach einer Verortung der Zeitkultur in einem offenen Kunst- und Kulturhaus. Negativ ist für unseren Verein natürlich, wie für andere Vereine auch, die Entwicklung im Förder­bereich und die momentane Stagnation in der Umsetzung eines gemeinsamen Kul­turhauses.“ Andreas Willstorfer zeigt einen weiteren Aspekt auf, indem er sagt: „Mit Stadtsaalabos, Frischemarkt und Ursprung Buam wird die breite Masse sicherlich zufrieden gestellt, was durchaus positiv anzumerken ist – ob dies die Jugend zur Kulturarbeit bringt, ist aber fraglich.“ Trotz der temporären Rückschläge hat das kul­turelle und überwiegend ehrenamtliche bis prekäre Engagement (vgl. Blatthirsch #3 hier) den Boden für weitere, neue Projekte aufbereitet. Während vor allem auch der studentische Know-how-Import aus Wien stets eine tragende Rolle an der Vöck­la gespielt hat, entwickelt sich durch die enge Zusammenarbeit mit dem Freien Radio Salzkammergut zunehmend eine Sensibilisierung für Freie Medien. Ein In­put aus dem inneren Salzkammergut, der die zentrale Rolle von freier Meinungsäu­ßerung und medialer Selbstermächtigung aufzeigt. Und schließlich an der Vöckla auf fruchtbaren Boden fiel. So entwickelte sich beispielsweise innerhalb kürzester Zeit das FRS Radionest in Vöcklabruck. Dazu sagt die Radiomacherin Elisabeth Ertl: „Über den Werdegang des Radionestes bin ich natürlich höchst erfreut. Seit dem Entschluss ein FRS Außenstudio zu er­richten und der tatsächlichen Umsetzung verging nicht einmal ein halbes Jahr! Dies ist in der freien Kulturarbeit eine wahre Er­folgsgeschichte. (…) Die Redaktion wächst stetig und ich finde es ist spürbar, wie sehr unsere Region auf eine selbst organisierte und selbst gestaltete Kommunikations­plattform wie diese gewartet hat.“

Umbruch: Kulturhaus Stopp, Bock Ma‘s Ende und Festival der Regionen
Doch die regionale Kulturlandschaft steu­ert momentan auf eine tief greifende Um­bruchphase zu, ja sie befindet sich bereits darin. Erstens wurde die Umsetzung des Kunst- und Kulturhauses in Vöcklabruck mangels Geld und politischen Willen bis mindestens 2014 auf Eis gelegt. Zweitens findet das Bock Ma‘s Festival als jährli­cher, kulturpolitischer Impulsgeber heuer zum letzten Mal statt (vgl. Artikel Holladero und Bock Ma’s). Welche Konsequenzen wird dieses Ende wohl mit sich bringen, was bleibt? „Bock Ma‘s ist ein großartiges, engagier­tes und sehr professionell abgewickeltes Projekt, das nicht nur regional, sondern auch überregional wahrgenommen wird und das Potential an und die Bündelung von Ressourcen in unserem Bezirk deut­lich aufzeigt und nachhaltig belegt“, sagt Anna Brandstätter. Gerald Streicher meint: „Natürlich hatte das Bock Ma‘s Einfluss auf die regionale Kulturarbeit. Zum einen war und ist es die größte Veranstaltung der freien Szene in der Umgebung und zum anderen war es auch der Ursprung der stattgefundenen Vernetzung.“ „Viele Leute werden, wenn es vorbei ist, eine frü­he kulturelle Sozialisation durch das Bock Ma‘s erlebt haben und diese weiterhin in ihrer Region, in der sie leben fortführen. Da bin ich mir ganz sicher“, sagt Josef Ge­betsroither. Für Evelyn Ritt steht fest: „Zum einen wird ein wichtiges Zeichen gegen soziale Ausgrenzung, Rassismus, Diskri­minierung nicht mehr gesetzt. Zum ande­ren war das Bock Ma‘s jedes Jahr bei allen Schwierigkeiten ein derart großes Projekt, das die MitarbeiterInnen auch zusammen­geschweißt hat, und zur Vernetzung – auch überregional- sehr positiv beigetragen hat.“ Hingegen meint Andreas Willstorfer: „Ob die Politisierung des Festivals dienlich war, sei dahingestellt. Sicher ist, dass das Bock Ma‘s einen Stein ins Rollen brachte, dessen Nachbeben noch lange spürbar sein wird.“
Austrofred
Schließlich – und damit wären wir beim dritten Grund für die Umbruchphase – fin­det nächstes Jahr in Attnang-Puchheim das Festival der Regionen statt. Alle Be­fragten sind sich über die Bedeutung dieser Veranstaltung einig, stellvertretend sagt Elke Holzmann: „Das Festival der Re­gionen stellt eine RIESEN Chance für uns dar, die Freie Szene an einen Platz zusam­menzuführen, um gemeinsam Kunst und Kultur zu präsentieren, produzieren und partizipieren.“ Während also zwei Groß­projekte – vorerst – von der Bildfläche verschwinden und mit dem Freien Radio eine neue Plattform durchstartet, winkt im Jahr 2011 eines der interessantesten Kulturfestivals Österreich. Wie sich die lokale Kulturszene in dieser spannenden Phase weiterentwickeln wird und welche Prozesse folgen, bleibt freilich offen. Fest steht, dass der beackerte Kulturboden der letzten Jahre genügend „Humus“ für neue Initiativen bietet. Und offenkundig die Freude an der Sache ansteckend wirkt. Die aktuellen Neugründungen vom „Verein musikalischer Künste“, von „VöcklaMosh“ in Ungenach oder „Young and Culture“ in Vöcklabruck sind die Belege dafür. Die Chancen stehen gut, dass in 10 Jahren ähnlich viel über die Kulturlandschaft ge­sagt werden kann und muss, wie heute. Denn an ein zentrales Motto erinnerte auch Rainer Krispel im eingangs erwähn­ten Interview: „Der Traum ist, was bleibt. Der Versuch ist, was zählt.“

Reportage von Richard Schachinger

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Endstation Kulturwüste, alle umsteigen, bitte!

An einem regnerischen Samstagabend im Juli begab sich alles, was eine Karte erhascht hatte nach Attnang, um dem Kapitalismuskirtag „€AT“ des Theater Hausruck beizuwohnen. Ausgerechnet Att­nang. Wer auf der B1 die Stadt durchfährt registriert ein Ortsschild, dann ein Bordell, den Bahnhof, noch ein Bordell, das zwei­te Ortsschild und dazwischen womöglich noch ein paar trostlose Fabrikhallen. Ob sich dahinter noch irgendetwas Fröhliche­res verbergen könnte, ist für Durchreisen­de schwer zu erahnen. Aber darum geht es hier eigentlich nicht. Denn auch ein paar Freiwerkler_innen pilgerten an jenem Abend nach Attnang. Und war schon die Vorstellung von Kulturgenuss in Attnang gewöhnungsbedürftig, die Idee, dort an­schließend noch was trinken gehen zu können, schien völlig absurd. So zog es das Trüppchen doch wieder in das erleb­nisverheißende „Tor zum Salzkammergut“.

Die Kulturwüste

Die Kulturwüste


In der Stadt an der Vöckla folgte allerdings das böse Erwachen. Das Lokal der Wahl hatte soeben zugemacht (es war 23:10 Uhr) und mit dem Wissen, das alles, was noch offen haben könnte maximal als Plan C bezeichnet werden konnte aber besser war als nichts, begab mensch sich auf den Stadtplatz. Der wirkte dann eher wie eine Wild-West-Geisterstadt, in der sich alle vor dem entscheidenden Duell zwischen She­riff und Outlaw versteckten, und präsen­tierte sich mit geschlossenen Cafés und hochgeklappten Gehsteigen nicht wirklich als „eine Stadt mitten im Leben“, wie es in der Beschreibung bei „Oberösterreich Tourismus“ heißt. Zwar fand sich noch ein Lokal, in dem noch ein Getränk zu haben war, aber auch dieses hatte sich gegen eins fast vollständig geleert.

Diskussionen darüber und über die Tatsache, dass in Vöcklabruck Kulturar­beiter_innen nicht von offizieller Seite, sondern von einer Gratiszeitung darüber informiert werden, dass die Hoffnung auf das ersehnte Kulturhaus wohl endgültig begraben werden muss, wurden in eine private Küche verlagert.

Einen Hoffnungsschimmer gab es al­lerdings. Denn was sich an jenem Abend an Menschen in Attnang getummelt hatte, war nur ein Vorgeschmack auf das gewe­sen, was dem Ort in gut zehn Monaten bevor steht. Das Festival der Regionen kommt unter dem Motto „Umsteigen“ nach Attnang und macht das Städtchen für ein paar Wochen zu Oberösterreichs Zeit­kulturzentrum. Mit ein bisschen Glück ist bei den Projekten, die dann realisiert wer­den auch das eine oder andere dabei, das Attnang hilft, längerfristig aus dem hohlen Schatten der kulturell und gastronomisch desertifizierten Bezirkshauptstadt zu tre­ten. Und vielleicht findet die Zeitkultur-Szene der Region dann in Attnang nicht nur ein temporäres Zuhause.

Kommentar von Beate Treml

Das Bock Ma's und ich: Nachtrag zur Special Ausgabe

Artikel von:  Andreas Moser

Das Bock Ma’s und ich… hmm… was war und ist das Bock Ma’s eigentlich für mich? Da ich auf Grund meiner Pläne für längere Zeit ins Ausland zu gehen schon öfter darüber nachgedacht habe, was ich denn da so hinter mir lasse, schwebte mir dieser Gedanke schon des öfteren durch den Kopf.

Das Bock Ma’s spielte in den letzen 5 Jahren sicherlich eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Nicht nur wegen der vielen Zeit die das Festival vor allem während der ersten Jahre beanspruchte, sondern vor allem indem mir das Bock Ma’s einen Platz gab an dem ich mich engagieren konnte. Engagieren mit dem Bewusstsein eine Kleinigkeit gegen die vielen Ungerechtigkeiten dieses uns umgebenden Systems beitragen zu können (wie z.B. gegen dessen doch etwas rassistische Ausrichtung). So bot und bietet mir das Bock Ma’s etwas mit dem ich mich identifizieren kann und etwas, dass mir das Gefühl gibt durch meine Aktivitäten etwas verändern zu können. Dass das Festival einen derartigen Anklang fand verstärkte dies natürlich noch.

Für mich war es sehr schön zu sehen wie sich das Festival und das Sozialforum Freiwerk entwickelte und sich im Zuge dessen immer mehr engagierte Menschen daran beteiligten. Natürlich kann nicht ausgeblendet werden, dass dieser Prozess, leider auch von so manch gröberen und – wie ich glaube – für alle beteiligten teils sehr belastenden Differenzen begleitet war, aber auch diese sind wahrscheinlich in solch einem Prozess unumgänglich und wichtige Erfahrungen welche ihren Teil in dieser Entwicklung beitragen.
Aber alles in allem hat mir die Arbeit rund um das Bock Ma’s und mit all den Beteiligten Menschen bisher sehr viel Spaß gemacht, und ich empfinde all die damit verbundenen Erfahrungen und Erlebnisse als eine großartige Bereicherung in meinem Leben. In diesem Sinne ein großes DANKE an alle!

Etwas, dass mich besonders ab dem zweiten Bock Ma’s zugegebenermaßen sehr überraschte, war, dass es eigentlich recht leicht war so viele Menschen (mittlerweile über 200) als Volontäre fürs Festival zu gewinnen. Für mich ist das ein Signal, dass eigentlich sehr viel Potential für „gesellschafts- verändernde“ Aktivitäten und Projekte vorhanden wäre. Auch jedes Jahr wieder ein Lineup mit unentgeltlich auftretenden KünstlerInnen für die verschiedenen Bühnen zu finden, gestaltete sich meines Wissens bisher nicht sehr schwer. Obwohl hier die Bemühungen der BookerInnen und all jener welche die Programme am Bock Ma’s auf die Füße stellen nicht außer acht gelassen werden dürfen.

Da überdies am Veranstaltungsgelände keinerlei Werbung vorzufinden ist, stellt das Bock Ma’s meiner Meinung nach nicht nur ein gutes Beispiel für unkommerzielle Festivals dar, sondern zeigt auch auf, dass bei solchen Veranstaltungen Raum abseits der alltäglichen Konsumwelt geschaffen werden kann.
Auch dieser Aspekt hat für mich eine sehr große Bedeutung, da das Festival damit eine angenehme Alternative zu dieser „Geiz ist geil“ Welt darstellt, in der wir leben.

Zu guter letzt hoffe ich und wünsche ich mir, dass sich das Bock Ma’s auch in Zukunft weiterentwickeln kann und, dass damit auch weiterhin Zeichen gegen Rassismus und andere Diskriminierungen gesetzt werden. Denn das ist in Zeiten, in welchen die politische Rechte wie auch rechtsextreme Strömungen immer stärker werden, umso wichtiger.

Was dieser Hirsch bringt

Der Hirsch ist zurück!

An alle die schon sehnlichst darauf gewartet haben: Der 5. Hirsch wurde endlich aufs Blatt gedruckt! Thema ist dieses Mal der „Blick aus der Ferne“. Die RedakteurInnen haben versucht, Vöcklabruck von außen zu betrachten, zu beschreiben, zu loben und zu kritisieren. Was dabei herausgekommen ist, können Sie selbst nachlesen und … finden.

Zum ersten Mal hat sich in dieser Blatthirschausgabe Mundartredakteur Sebastian Rei­ner mit einem Gedicht verewigt.

Unser Auslandskorrespondent Johannes Rausch zieht in seinem Kommentar einen Ver­gleich zwischen Israel und Österreich, Daniela-Katrin Strobl ist hin- und hergerissen zwi­schen Stadt- und Land-Sehnsucht und Simon Zauner ist mit der (kaum vorhandenen) Förderung der Jugendkultur in Vöcklabruck gänzlich unzufrieden. Der Bad Ischler Maître Maitau begeistert sich in seinem Text für Monokulturen und schöne Bahnstrecken.

Angenehmes Lesen wünscht die Redaktion!

Anregungen und Kritik jeder Art bitte an redaktion [@] blatthirsch.at senden.

Hirschragout

Überrascht? Haben‘s wohl gedacht, der Hirsch kommt gar nimma mehr, was? Blöd­sinn. Der Winter ist halt nicht unbedingt die Jahreszeit „number one“ für Flugblätter. Für Hirschen übrigens auch nicht, Salzstein schmeckt auf Dauer echt langweilig. Und die Redaktion? Ja, ja die Redaktion. Dekadent wie eh und je die Zeit vertrieben und den Hirschen Hirsch sein lassen. Was so freilich maßlos übertrieben ist. Der Kern der Sache ist nämlich ein anderer und hört auf das kryptische Kürzel „DIY“, was übersetzt soviel be­deutet wie „selbst anpacken“. Was damit gemeint ist? Nun, dieses Flugblatt ist eben das, was die Leute gleichberechtigt draus machen. Und wenn im Extremfall niemand was auf Eigeninitiative macht, dann passiert halt auch nix. Super logisch, gell? Das ist nämlich der Saft, aus dem Demokratie gebraut wird! Ha! Aber das ist selbst (noch) nicht allen Redak­teurInnen vollends klar. Interesse – ja wunderbar und trotzdem wird allzu oft danach ge­fragt: „Passt‘s wenn ich schreibe?“. Aber hallo, selbstverständlich passt‘s – denn wenn‘s nimma passt, dann passt gar nichts mehr in diesem Laden. Zur Erinnerung: der Hirsch ist ein möglichst hierarchiefreies, weil selbstbestimmtes Experiment! Das sei so gesagt, um es mal wieder etwas deftiger uns allen vor den Latz zu knallen. Nur, damit wir uns richtig verstehen, werte/r Leser/in: Spaziergang ist das keiner, den Hebel für sich selbst mal von reagieren auf agieren umzulegen! Also Hut ab, wenn dies Menschen probieren. Und diese Ausgabe ist der lebende Beweis dafür, dass es funktioniert. Nach der „Peitsche“ soll‘s heute eben auch „Zuckerbrot“ geben. Abschließend noch eine Denksportaufgabe: Wie viele Medien kennen Sie, wo so offen Selbstkritik geübt wird?

LAUTmalerei

Ein Bad Ischler fährt nicht unbedingt nach Vöcklabruck. Keine Berge, dafür drei Ampeln, Verkehr und viel Wind. Das ist die ehrliche, geradlinige und einfache Meinung der BergbewohnerInnen, die sel­ten einen Blick auf die weite Welt hinter den Bergen werfen.

Natürlich ist Vöckla­bruck mehr. Vöcklabruck liegt am Haus­ruck. Herrliche Waldlungen, immense Monokulturen, Feldwege in alle Richtun­gen. Eine der wohl schönsten Bahnstre­cken führt von Attnang über den Hausruck nach Eberschwang im Innviertel und einer der verlassensten Bahnhöfe Oberöster­reichs befindet sich in Holzleithen. Hier steht die Zeit still.

Und gleichzeitig dreht sich die Welt weiter, schreitet die Zeit in Siebenmeilenstiefeln voran. Denken wir an die Kulturarbeit in Vöcklabruck, dann denken wir an zeitgemäße Angebote, die in den Regionen nicht selbstverständlich sind. Hier wird nicht reproduziert, hier werden eigenwillige, originelle Wege ge­gangen. Kulturarbeit hat an der Vöckla mit politischer Bildung zu tun. Und genau das brauchen die Regionen. Auseinanderset­zung, Diskurs und Kontroverse statt Resig­nation und Abwanderung.

Vom Hausruck kommen viele Bäche, darin schwimmen Fische und nicht alle schwimmen mit dem großen Strom nach Wien und werden Tunnelmenschen, Luft­bewohnerInnen.

Kolumne von M. Maitau

Ich vermisse an Vöcklabruck nichts außer das Teehaus...

Israel ist nicht Österreich. Ganz im Gegen­teil. Betrachtungen eines „Ausländers“.

„Where are you from?“: Eine Frage, die man in Israel sehr oft gestellt bekommt. Anders als vielleicht in den USA muss hier jedoch nicht der berühmte Känguru-Sager (Stichwort Australia) bemüht werden, dafür ist die Geschichte dann doch zu präsent. „Ah, Austria, my grandparents are from there.“ Eine Reaktionsmöglichkeit. Die andere: “Oh nice, I was skiing there last winter, in Tyrol.” Man muss wohl nicht extra erwähnen, dass einen die erste Be­kundung sprachlos zurück lässt: Wie soll man jetzt darauf reagieren? Um an dieser Stelle übrigens einen bekannten Minder­heitskomplex auszuhebeln: Nein, darauf folgt kein „You Austrians are still Nazis!“ oder ähnlich dumme Aussagen. Der er­wähnte traurige Fakt ist bloß die einzige Verbindung zu Österreich, manchmal. Und einmal mehr hält man sich jenes blühende jüdische (Groß)Bürgertum Wiens zur Zeit der Jahrhundertwende vor Augen, denkt an „Was wäre jetzt, wenn…“ Optionen und stellt fest, dass man das nicht zu oft tun sollte. Als gesellschaftspolitisch wa­cher Mensch schlägt sich das nicht positiv auf die Psyche.

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Doch kommen wir an die­ser Stelle auch zu anderen Aspekten des versuchten Vergleichs Österreich-Israel. Zuerst stellt sich ohnehin die Frage, inwie­fern man Länder überhaupt in Zusammen­hang stellen, sie vergleichen darf. Doch wenn man schon dreist genug ist, sich für ein Jahr außer Landes zu begeben, sollte man ebenso zu einer fähigen Kontextua­lisierung bereit sein. Und welchen Sinn hat ein Auslandsaufenthalt denn letztend­lich, wenn man sein/ihr Geburtsland nicht ständig zum aktuellen Gastgeberland auf dies und das abklopft?

Nun denn: Israel ist natürlich in ziemlich jeder Hinsicht großar­tig, vor allem aber fasziniert mich das ge­schichtlich entwickelte Multikulti Konzept täglich aufs Neue wieder. In einem Bus ist es ganz normal, 5 verschiedene Sprachen zu hören. Menschen aus den unterschied­lichsten Ländern treffen auf einem kleinen Fleck Erde aufeinander, das einzig Verbin­dende stellt das Judentum dar und selbst das ist enorm heterogen – ein äthiopischer Jude hat mit einem Juden aus Russland nicht derart viel gemein.

Auch ein anderer Aspekt sollte hier erwähnt werden, näm­lich jener, wonach Israelis gemeinhin als harsch respektive rüde bezeichnet wer­den. Jein ist die klare Antwort, denn ge­wiss wirken Israelis äußerlich – bedingt un­ter anderem durch historische Ereignisse und die aktuelle politische Situation – eher streng. Doch andererseits greifen sofort 10 Hände nach einer herunter gefallenen Tasche im Bus, der soziale Zusammenhalt quer durch alle Schichten im Alltag ist enorm.
Und gerade als „short time resi­dent“ wie meiner einer spürt man so gut wie überall das entgegen kommende Inte­resse: So lud mich meine neue Nachbarin schon nach dem ersten Treffen zu einem Shabbat Essen ein ohne mich groß zu ken­nen, eine andere vertraute mir ihren Woh­nungsschlüssel bereits nach kurzer Zeit an.

Auch von demografischer Seite her ist Israel mehr als beeindruckend, so sollen ca. 60 % der BewohnerInnen Tel Avivs un­ter 30 Jahre alt sein. „Wie die USA, nur kleiner halt“, meine ich immer. Vor allem im Vergleich – hier sind wir wieder beim Thema – mit Österreich bin ich dann kurz etwas konsterniert, ist doch „Good old Austria“ so ziemlich das Gegenteil von al­lem was Israel darstellt: Ein Pensionisten­staat, der über seine Zukunft in Form von Bildung, Forschung und Jugendlichen mit rümpfender Nase herzieht, aus seiner Ge­schichte ungern lernt und sich lieber ver­steckt als selbstbewusst auftritt.

Vielleicht ist gerade aus eben genannten Gründen für einen Ösi Israel so faszinierend, wer weiß. Ob ich an Vöcklabruck – dessen am­tierender Bürgermeister es nebenbei als nicht würdig empfand einem Jugendlichen finanziell für seinen Auslandszivildienst unter die Arme zu greifen – übrigens etwas vermisse, wollen hin und wieder Bekannte wissen. Ja, das Teehaus. Sonst? Nada!

Text und Foto von Johannes Rausch

woss ois gibt

ois gibts… außa gliarade eiszopfn
ois gibts… außa fliagade schweindl und rosane elefontn
ois gibts… außa drochn, di seifnblosn schpuckn
ois gibts… außa a schtod volla bladln
ois gibts… außa gnuag plotz und essn füa jedn
ois gibts… außa an sotz one end
ois gibts… außa scheahaufn auf da donau und biinensteeg in da vöckla
woss ois net gibt…
i moa i mecht do hi ins net, ins außa.

Gedicht von Sebastian Reiner