|
|
Die Welt bietet uns gerade eine spannende Zeit des Auf- und Umbruchs. Die Revolutionen werden im Internet live übertragen, Menschen organisieren sich via Bits und Bytes und die Informationen zu den globalen politischen Verhältnissen erhalten wir unverfälscht aus erster Hand. Die Machtstrukturen wurden unvorhersehbar von unten, fast wie aus dem Nichts, zutiefst erschüttert und die Nachbeben verbreiten sich unaufhörlich.
Fragen, was wirklich dahinter steckt und was Gegenbewegungen, wie zum Beispiel jene in Ägypten oder auch Uni Brennt, von denen der Vergangenheit unterscheidet, sind gerade Schauplatz für spannende Diskussionen, und romantischer Projektionen.
Dennoch, die Debatte ist notwendig, denn der Wandel hat im Untergrund, genauer gesagt im Internet, seinen eigenen Weg gefunden, auch in Österreich. Begriffe wie Facebook, Wikileaks, Twitter und Re-Demokratisierung werden gerade zusammengepackt, verschnürt und in das Wort “2011er Generation” gezwängt, das für einen Umbruch, der aus dem System selbst heraus nicht mehr möglich scheint, stehen soll. Dabei wird Honig um den Mund der Nachkömmlinge geschmiert. Dahinter versteckt ist die Hoffnung, dass sich hier jemand um “die Lösung” kümmert, vornehmlich jemand anderer, als es zu sein scheint.
Komischerweise sind es viele jener unverstandenen Jugendlichen, die viel zu oft klein geredet wurden, die Verlierer_innen des Systems, die Träumer_innen, die Unzufriedenen, die Faulen, die Radikalen oder die Nestbeschmutzer_innen, die jetzt für die Veränderung sorgen sollen.
Jene, denen Missverständnis entgegengebracht wurde, da sie lieber ihre Freizeit am Computer verbrachten, anstatt sich mit den anderen zu betrinken. Oder jene, die unsicher und teils ohne Orientierung heran wuchsen, denen die Entwicklung zu einem freien Geist nicht zugetraut und denen jedes Scheitern vorgehalten wurde. Oder auch jene, denen fehlende Bildung und politischer Stumpfsinn vorgeworfen wurde, da sie nach der Schule eine Lehre begonnen haben, sich ihre Bildung aus dem Fernsehen holten und lieber in ihrem Verein aktiv waren, anstatt sich im politischen Alltag zu engagieren. Genauso wie jene, denen ständiges “Dagegen sein” vorgeworfen wurde, da sie lieber ein bisschen weniger Gemüse anbauten, dafür aber mit mehr Liebe, anstatt sich den wirtschaftlichen Interessen zu beugen.
Ja genau, von diesen jahrelang klischeehaft gezeichneten Menschen wird jetzt verlangt, was bisher niemand zu schaffen schien. Und das ist gut und richtig so! Aber warum?
Es ist all zu beliebt geworden, sich damit zu beschäftigen, was schief läuft und wer was falsch macht. Dadurch scheint es, als sei uns das Gefühl dafür verloren gegangen, wer wir sind und wo wir stehen. Die positiven Eigenschaften und Errungenschaften wurden aus den Augen verloren, vielleicht oftmals sogar als “Gott gegeben” erachtet. Verstärkend haben die Negativ-Nachrichten aus aller Welt unsere Wahrnehmung einseitig verzerrt.
Die Hoffnung auf eine Verbesserung sind nämlich nicht die ungebildeten Arbeiter_innen, die überkritischen Bürger_innen oder die faulen Student_innen, sondern die unabhängigen, selbstbestimmten, freien Menschen, die nicht von den Eliten, den Systemen oder den Religionsgemeinschaften erwarten, sich um ihre Probleme zu kümmern. Von denen gibt es heutzutage so viele wie noch nie und wer hier an zwei unterschiedliche Gruppen denkt, hat sich gerade selbst Richtung Paradigmenwechsel manövriert.
Vielleicht steht dieser lange überfällige Wechsel der Sicht auf die junge Generation – und dahinter auf sich selbst – hinter der Zahl 2011. Twitter und Co sind nur Mittel zum Zweck und verändern von sich aus gar nichts. Einfacher und schneller ist Vieles damit schon geworden.
Die Chance lebt, und es bedarf einer Art realitätsbezogenen Optimismus. Es braucht nicht jenen Optimismus, der die gegenwärtige Wirtschaft als alternativlos hingestellt oder der die Technik zum Retten der Welt eingespannt hat, sondern
einen, der sich auf die Menschen stützt, ja, ihnen zutraut sich selbst zu helfen und selber die Lösung zu wissen.
Wer hier Realitätsverweigerung entgegnet, der hat nur auf den ersten Blick recht. Dieses Argument stand all zu lange im Weg. Denn wer all zu sehr auf die gegenwärtigen Zustände und Bedingungen pocht, darf sich keine Veränderung erwarten, was zwangsweise zu einer Verschlechterung führt.
Wieso das? Die Welt verändert sich, selbst wenn wir alles beim Alten belassen würden. Die zu Anfang vernachlässigten, als irrrelevant bezeichneten “Nebeneffekte” der politischen und wirtschaftlichen System – wir erleben sie gerade tagtäglich mit neuen Schlagzeilen – sammeln sich stetig an und wirken, egal ob wir sie sehen wollen oder nicht.
Und genau hier stehen und fallen die 2011er, die den nächsten Schritt für unsere Zivilisation vollziehen sollen. Egal ob es dabei um die Demokratie, die Welternährung, das globale Wirtschaftssystem oder die Energieversorgung geht – es fehlt eine offene, grundlegende Diskussion über unsere Zukunft und deren Herausforderungen, in der auch andere Systeme oder große, radikal erscheinende Reformen diskutiert und nicht zu letzt umgesetzt werden müssen. Alternativlos ist das Wort der Stunde, radikal der schnell gefundene Erzfeind und so wird der Diskussionsrahmen von Anfang an auf das Bestehende eingeschränkt.
Die Menschen lassen sich aber nicht mehr so leicht in vorgefertigte Kategorien drängen. Spalten und herrschen funktioniert plötzlich nicht mehr, wie wir gesehen haben. Keine obere Instanz bringt die Ägypterinnen und Ägypter dazu, sich zu beugen, nachzugeben, ihre Gefühle und ihre Meinung zu ignorieren.
 2011 - Jahr der Revolutionen? Demonstranten in Kairo Ende Jänner während der „Tage des Zorns“ - Foto: M. Soli via Flickr - Creative Commo ns
Dieser Geist ist der Nährboden für nachhaltige und zukunftsfähige Formen des Miteinanders, im ökonomischen genauso wie im sozialen und ökologischen Sinne, wodurch 2011 das Jahr 68 klein aussehen lassen könnte, obwohl es wohl eher eine elterliche Beziehung zu einander gibt.
In all der Euphorie sollen wir jedoch nicht naiv neuen romantischen Vorstellungen nachjagen, sondern uns der Realität stellen, anstatt ihr auszuweichen. Unbewusst ahnen wir ja bereits, dass der Wandel unausweichlich ist, und versteckt irgendwo ganz hinten im Kopf freuen wir uns auch bereits darauf!
Kommentar von Stefan Kasberger
“Der Gscheiteste ist bloß so gscheit, wie ihn der Dümmste noch versteht”. Manche meinen dieser Ausspruch sei typisch österreichisch, weil Eliten feindlich, an Exzellenz uninteressiert und daher provinziell.
Ich bin anderer Meinung. Gerade dieser Ausspruch weist darauf hin, wie wichtig offene und aufsuchende Bildungsangebote für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft sind. Wichtig vor allem für benachteiligte Bevölkerungsschichten. Wertvoll im Sinne der Teilhabe an Diskurs und Entwicklung, im Sinne politischer Bildung und demokratischer Handlungsfähigkeit. Nicht nur Vermögen muss umverteilt werden, auch Wissen muss gerechter zugänglich sein. Einen sportlichen Beitrag dazu liefert die Open Source Bewegung. Revolutionär in ihren demokratischen Prinzipien des offenen Zugangs für Alle und ein vortreffliches Beispiel für das Potential einer gelungenen Sache.
Während sich die Softwareriesen voneinander abschotteten und das Prinzip der Konkurrenz verfolgten, setzte die Open Source Bewegung auf Kooperation und Vernetzung und gewann damit zunehmend an Substanz.
Letztlich haben die Programmierer in ihrer Suche nach Exzellenz den oben genannten Ausspruch verstanden. Ihre Entwicklungen strotzen vor integrativem Potential und niederschwelligen Ideen. “Die Gescheiten” und “die Dummen” gibt es in der Open Source Philosophie nicht. Wohl aber im österreichischen Bildungssystem.
Kolumne von Maitau
Nerds, Geeks, Hacker und alle anderen stubenhockenden Programmiersprachensprecher_innen: Ihr könnt an dieser Stelle eigentlich schon wieder aufhören, diesen Text zu lesen. Ihr werdet hier vermutlich nicht viel Neues lernen. Alle anderen Leser_innen: Herzlich Willkommen zu einer Einführung in die Welt der offenen Quellen.
Entstehungsgeschichte
Der Ursprung der Open Source (OS) Bewegung geht zurück bis ins Jahr 1969, zur Entwicklung von Unix (Mehrbenutzer-Betriebssystem) durch den amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T. Aufgrund eines verlorenen Kartellrechtsverfahrens war AT&T gezwungen, den Unix-Quellcode für eine geringe Lizenzgebühr an Universitäten abzugeben. An den Unis wurde Unix von Wissenschaftler_innen und Student_innen weiterentwickelt, Berkley veröffentlichte sogar eine eigene Unix-Distribution (Berkeley Software Distribution). 1984 jedoch wurde AT&T in 7 kleinere Unternehmen aufgeteilt und begann Unix wieder kommerziell zu vertreiben.
Richard Stallman, eine Schlüsselfigur der Open Source Bewegung, war damals als Softwareentwickler am MIT (Massachusetts Institute of Technology) tätig. Er gründete bereits 1983 das GNU-Projekt, um ein vollständig freies Betriebssystem zu schaffen. 1984, als AT&T für den Unix-Quellcode wieder Geld verlangte, kündigte er seine Stelle am MIT, um sich voll und ganz GNU widmen zu können. 1985 gründete er die Free Software Foundation (FSF), eine Stiftung die bis heute freie Software (insbesondere das GNU-Projekt) finanziell unterstützt. Außerdem schuf Stallman damals auch eine vollkommen neue Lizenzform und nannte sie Copyleft. Später entstand daraus die sogenannte General Public Licence (GPL), die Grundlage für Open Source und freie Software.
 Richard Stallman spricht in Oslo als Saint IGNUcius; Foto: Anders Brenna via Wikimedia Commons - Creative Commons
Die GPL hat vier Grundprinzipien:
- Freie Nutzung zu jedem Zweck.
- Kostenlose Vervielfältigung
- Die Offenlegung der Arbeitsweise des Programmes (Quellcode) und das Recht zur Anpassung an die eigenen Bedürfnisse.
- Außerdem dürfen abgeänderte Versionen ebenfalls ausschließlich kostenlos weitergegeben werden.
Die Entwicklung der ersten Linux/GNU-Betriebssysteme im Jahr 1992 war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Open Source Bewegung. Ein weiteres entscheidendes Ereignis war der Entschluss des Unternehmens Netscape im Jahr 1998, den Quellcode des Netscape Navigators zu veröffentlichen, da sich der Internetbrowser gegen den Marktbeherrscher Microsoft und dessen Internet Explorer nicht durchsetzen konnte. Im Rahmen des von Netscape gegründeten Mozilla Projekts entwickelten daraufhin hauptsächlich ehemalige Netscape-Mitarbeiter_innen den heutzutage stark verbreiteten Firefox-Webbrowser.
Im selben Jahr (1998) gründeten einige findige Informatiker_innen, unter anderem Tim O’Reilly (O’Reilly-Verlag für EDV-Literatur) und Bruce Perens (Programmierer und Hauptautor der OS-Definition) die Open Source Initiative (OSI) mit Sitz in Kalifornien. Die Idee dahinter war ein besseres Marketing für freie Software, um sie attraktiver für Unternehmen und geschäftsfähiger zu machen (Ja, es ist möglich mit OS-Software Geld, mitunter sogar sehr viel, zu verdienen. Z.B. durch Serviceleistungen oder Firmenlizenzen.). Neue Open Source Lizenzen, die wirtschaftlich interessanter sein sollten, wurden geschaffen (z.B. Mozilla Public Licence). Richard Stallman (Gründer FSF) distanzierte sich von der Grunddefinition der OSI, da seiner Meinung nach die Freiheit der Software und nicht nur der offene Quellcode betont werden sollte. Da der Grundgedanke aber derselbe ist, arbeiten OSI und FSF oft eng zusammen.
Vor- und Nachteile von OS
OS-Software ist kostenlos. Ein massiver Vorteil gegenüber proprietärer Software, z.B. Adobe-Produkten, vor allem wenn man nicht ca. 1000 Euro für ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop ausgeben kann oder will. Ein großer Vorteil von OS ist auch die große Anzahl von Softwareentwicklern. Fehler werden oft rascher entdeckt und beseitigt, Sicherheitslücken schneller geschlossen, als bei kommerziellen Softwareproduzenten.
Freie Software hat aber auch Nachteile. Für Durchschnittsuser_innen, die sich aus dem gewohnten Windows-Umfeld hinaus wagen, kann es anfangs schwierig sein, sich in der neuen virtuellen Umgebung zurechtzufinden. Verschiedene kommerzielle Programme funktionieren nicht reibungslos in Linux-Distributionen. Außerdem können gegen Hersteller keine Haftungsansprüche geltend gemacht werden. Manche Softwareentwickler_innen kritisieren auch, dass es sehr schwierig ist, mit OS-Software Geld zu verdienen. Oft verdienen andere mit dem eigenen Produkt, in dem sie es weiterentwickeln und dafür kassieren.
Momentane Situation
Die Liste von Open Source Programmen ist lang. Firefox, Thunderbird, OpenOffice, Linux, GIMP (Bildbearbeitung), VLC Media Player, um nur ein paar der bekannteren zu nennen. Für fast jede Art von proprietärer Software gibt es mittlerweile brauchbare, oft sogar bessere Open Source Alternativen.
Heutzutage ist freie Software erfolgreicher denn je. Sowohl in vielen Unternehmen, als auch im privaten Bereich ist sie weit verbreitet und unentbehrlich. (Auch dieser Artikel wurde mit Open Source Software verfasst.) Apples Mac-Betriebssystem baut auf eine Vielzahl von Open Source Programmen und sogar Microsoft verwendet Open Source Codes, wenn auch in eher geringerem Ausmaß.
Auch Regierungen in aller Welt nutzen Open Source Software. Die Behörden in Österreich haben als Teil des E-Government Projekts sogar eine eigene Onlineplattform für OS-Projekte eingerichtet (http://egovlabs.gv.at/).
Open Source ist auf dem Vormarsch und wird seinen Aufschwung in den nächsten Jahren fortsetzen. Ein Hoffnungsschimmer in einer vom Kapitalismus regierten Welt. Denn die Open Source Philosophie geht längst weit über den IT-Bereich hinaus. Es gibt mittlerweile OS Produkte (z.B. “OpenCola”, OS-Medikamente), OS Politik, OS Kunst, OS Journalismus usw. Auch die Philosophie von Projekten wie Wikipedia oder der Creative Commons Organisation ist der von Open Source nicht unähnlich. Die Open Source Bewegung könnte ein wichtiger Schritt in der soziokulturellen Evolution des Menschen sein. Zumindest solange sie nicht vom Kapitalismus infiltriert wird.
Glossar
Quellcode: Der Quellcode ist die Grundlage eines Programmes. Eine Ansammlung von Befehlen, verfasst in einer Programmiersprache.
GNU (GNU is Not Unix): Das Ziel des GNUProjekts ist ein vollständig freies Betriebssystem, genannt GNU, zu entwickeln.
http://www.gnu.org/
Linux/GNU-Betriebssysteme: Linux-Distributionen (wie z.B. Ubuntu) sind freie, portable, Mehrbenutzer_innen-Betriebssysteme, die ganz im Sinne von Open Source von Unternehmen, NPOs und Einzelpersonen auf der ganzen Welt stetig weiterentwickelt werden.
Copyleft: Ist eine Lizenzklausel, die verlangt, dass Software nur bearbeitet werden darf, wenn sie genau wie das Original ohne Urheberrecht weitergegeben wird.
Open Source Initiative:
http://www.opensource.org/
Free Software Foundation:
http://www.fsf.org/
GNU-Projekt: http://www.gnu.org/
OS-Software für verschiedene Betriebssysteme:
http://www.webi.org/
OS-Software für Windows:
http://www.opensourcewindows.de/
Reportage von Simon Zauner
aufwochn
aufmochn
dfensta
aufmochn
am bachal beim aussi-
und am beim einafliaßn
zuaschaun
ruadabootal und
schwimmflügal baun
aufwochn
und wön
griaßn
Gedicht von Sebastian Reiner
 Ubuntu Cola: Weltweit das erste Fairtrade Cola, hergestellt im Sinne der Ubuntu-Philosophie; http://www.ubuntu-trading.com/ - Foto: Dave Bleasdale via Flickr - Creative Commons
Wenn sich Feuerfuchs und Donnervogel guten Morgen sagen
Webbrowser
Firefox hat vor über einem Jahr den Microsoft Internet Explorer als meistgenutzter Webbrowser im deutschsprachigen Raum abgelöst. Und das nicht ohne Grund. Denn der freie Open-Source-Webbrowser von Mozilla überzeugt seit 2002 vor allem auch durch die vielfältigen Erweiterungs- und Personalisierungsmöglichkeiten (“Add-ons”), zudem steht er für Linux, MacOS und Windows gleichermaßen zur Verfügung.
E-Mail Programm
Ebenfalls von Mozilla ist das freie Open-Source-Mailprogramm Thunderbird. Wie bei Firefox existieren zahlreiche Add-ons und der Donnervogel ist nicht wählerisch, wenn es darum geht, sich in einem Betriebssystem “einzunisten”. Wer sich bereits mit diversen Outlook-Versionen geärgert hat, wird den Thunderbird zu schätzen lernen. Um den Umstieg zu erleichtern, stellt das Programm gleich Importfunktionen zur Verfügung. Besonderes Highlight: Der Donnervogel lernt selbst, was als Junkmails verbannt werden soll.
Büro
Als die leistungsfähigsten Alternativen zu Microsoft Office gelten OpenOffice und LibreOffice. Beide Office-Pakete haben bis vor kurzem noch zusammengearbeitet, weswegen ihr Funktionsumfang momentan noch beinahe gleich ist: Sie bieten jedenfalls die Module Writer (Textverarbeitung), Calc (Tabellenkalkulation), Impress (Präsentationsprogramm) und Draw (Grafikprogramm) an. Eine Kompatibilität mit Microsoft Office ist weitgehend gegeben, sämtliche Dateiformate können gelesen oder abgespeichert werden.
Bildbearbeitung
GIMP ist ein freies und kostenloses Bildbearbeitungsprogramm, das sich auf die intensive Bearbeitung einzelner Bilder spezialisiert hat. GIMP ist eine sehr mächtige und an Funktionen umfangreiche Software, welche mit dem kommerziellen Produkt Photoshop vergleichbar ist.
Distribution
Unter einer Distribution versteht man gemeinhin das eigentliche Betriebssystem und ein Bündel an mitgelieferten Programmen, was eine rasche und bequeme Installation ermöglicht. Es gibt zahlreiche Distributionen unter LINUX, eine davon ist Ubuntu. Ubuntu heißt übersetzt soviel wie “Menschlichkeit”, womit der Grundgedanken des Kooperierens und Miteinander-Teilens ausgedrückt werden soll. Ubuntu ist zur Zeit die populärste Distribution und dient Durchschnittsanwender_innen oftmals als erster Schritt in die LINUX Welt, weil keine speziellen Vorkenntnisse von Nöten sind. In Vöcklabruck existiert seit wenigen Monaten sogar ein UBUNTU-Stammtisch im Offenen Technologie Labor (Otelo).
Text von Richard Schachinger
GUT
Young and Culture Vöcklabruck
Wie groß der Bedarf an zeitkulturellem Angebot in Vöcklabruck ist, zeigt auch der Zuspruch für den neu gegründeten Verein “Young and Culture”. Aus einer Facebook-Initiative heraus haben sich innerhalb kürzester Zeit über 20 Personen gefunden, welche die Stadt für Jugendliche lebenswerter machen wollen. Die politisch unabhängige Gruppe ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sehr sich junge Leute auch in der Gestaltung ihres Lebensumfeldes einbringen wollen und können. Daumen hoch!
BÖSE
Pfarrsaal Regau
Der Pfarrsaal in Regau gehörte zu den allerletzten Locations im Bezirk Vöcklabruck, wo noch anständige Musikkonzerte ohne sündteurer Miete, unleistbare Auflagen oder mitschneidende Pächter möglich waren – obendrein von einer weltoffenen und professionellen Person betreut und daher stark frequentiert. Doch nun…? Die Hiobsbotschaft, nämlich keine Konzerte mehr veranstalten zu dürfen, kam im Winter als erstes für den Kulturverein Sunshinebooking. Weitere folgten. Denn der Pfarrgemeinderat habe entschieden, keine Externen mehr nach Regau zu lassen. Was ist plötzlich los? Warum so teuflisch böse?
 Die Band A life, a song, a cigarette im Dezember 2008: Veranstaltungen wie diese wird es im Pfarrsaal Regau künftig nicht mehr geben... Foto: Elke Holzmann
Die FPÖ Ortsgruppe Vöcklabruck
Die FPÖ druckte in der Novemberausgabe ihrer Postille einen “Artikel” über das “Bock Ma’s Festival” ab. Der Schüleraufsatz begann zwar vielversprechend (“Nach kurzer Anreise war man auch schon am Veranstaltungsort nahe der Burgruine Altwartenburg angekommen”), büßte dann aber wegen schwerer inhaltlicher Mängel und Übersetzungsfehler an Qualität ein. Darum war eine positive Beurteilung nicht möglich. Wenigstens waren die 20 Euro Eintritt an Ute Bock nicht umsonst.
Es war vor eineinhalb, zwei Jahren als Facebook seinen Siegeszug in die Taskleisten der Computer begann. Für mich war dieses soziale Netzwerk damals nur eines unter vielen, und aus zweierlei Gründen gefährlich: zum einen der große Orwell’sche Datenklau, und zum anderen mein Hang zum übermäßigen Benutzen derartiger Anwendungen. Ich hielt mich also monatelang von Facebook fern, was ich auf den Bildschirmen von Freund_innen gesehen hatte, war mir sowieso zu kompliziert gewesen, viel zu viele Buttons und Funktionen. Überhaupt ein Rätsel waren mir Menschen, die ein Wochenende am Land auch dahingehend planten, sonntags gegen spätestens 16 Uhr wieder in der Stadt vorm Rechner sein zu müssen, weil dann das Farmville-Kürbisfeld, das sie vor der Abfahrt gepflanzt hatten, reif sein würde.
Ich hätte wahrscheinlich noch jahrelang ein tolles Leben ohne Facebook geführt, doch vor etwas mehr als einem Jahr kam dann alles anders. Ende Oktober beteiligte ich mich wie viele andere Studierende an der Hörsaalbesetzung am meinem Studienort. Unsere Besetzung hatte sowohl ihre eigene Homepage als auch eine Facebook-Präsenz, bevor wir überhaupt im Hörsaal waren, den IT-Freaks unter den Besetzer_innen sei Dank. Der erste Facebook-Account um den ich mich kümmerte war also nicht meiner, sondern der der Besetzung. Und irgendwann kam der Tag, an dem ich den Hörsaal dann doch für länger als ein paar Stunden verlassen musste, ein verlängertes Kulturarbeitswochenende rief nach Oberösterreich. Nichts lag da näher, als den Informationsfluss von der Besetzung über einen eigenen Account in dieser Community sicherzustellen. Und das Unheil nahm seinen Lauf.
Heute doktere ich, wann immer wieder Infos über neue Facebook-Privacy-Grauslichkeiten durchs Netz geistern, an meinen Privatsphäreeinstellungen herum. Den Farmville-Konsum habe ich mir selbst mittlerweile rationiert.
Und mit meinem neuen Smart-Phone kann ich jetzt auch unterwegs jederzeit die Statusupdates meiner “Freund_innen” lesen oder den Links folgen, die sie posten. Und ständig die wichtigsten Nachrichten-Links – gefiltert von Menschen mit ähnlichen Interessen – bei der Hand zu haben, ohne lange Online-Nachrichtendienste durchforsten zu müssen, ist ja doch auch ganz angenehm. Und spart bestimmt auch unheimlich viel Zeit.
Kommentar von Beate Treml
Liebe Quelltexte!
Danke für eure Öffnung
im genussvollen Sinne
inniger Informationsflüsse
umprogrammierender Weiterentwicklung
zumutbarer Zusammenarbeit
im Sinne der Chancengleichheit
entscheidend stimmiger Elemente.
Frei zugänglich,
scheinbar unvergänglich,
quelloffen,
hoffnungsvoll,
international, internetzional
digitales Ideenall, ideal?
Eins mit den Maschinen,
auf denen wir rhythmisch tippen,
um unsere Funken zu übertragen,
heutzutage als eigener Kanal
wirklich auch virtuell
vielseitig verbunden
in einem (un)sichtbaren Energiespiel
beyond the book
in your face
as if you were a tube
in my space.
Gedicht von Lisa Lehner
Was ist denn jetzt los? Da braucht Blatthirsch #5 fast ein halbes Jahr und dann erscheint die nächste Ausgabe nur knapp ein Monat später? Tja, hoffentlich lösen wir mit diesem Motivationsschub pure Freude bei unseren Leser_innen aus! Während wir unseren Rubriken eine Pause gönnen und der lautmalerische Maitau am Balkan auf Urlaub verweilt, geht es in dieser Schwerpunktausgabe um Vöcklabrucker Kulturgeschichte, Umweltschutz, Abschiede und Aufbrüche. Gleich unterhalb dieser Einleitung sucht Stefan Kasbeger nach Gleichgesinnten im Kampf für eine bessere (Um-)Welt. Links daneben blickt das Bockmas-Team zurück auf die vergangenen Festivaljahre. Auf der Rückseite hofft Beate Treml in ihrem Kommentar auf einen baldigen regionalen Kulturaufschwung, bedingt durch das nächstjährige Festival der Regionen. Dieses ist auch ein Thema in Richard Schachingers ausgiebiger Reportage, in der er die letzten 10 Jahre lokaler Kulturgeschichte genau unter die Lupe nimmt. Er hat dazu acht Kulturtäter_innen befragt. Auch in diesem Hirsch gibt es übrigens wieder ein Mundartgedicht von Sebastian Reiner.
Viel Spaß beim Lesen wünscht die Redaktion! Anregungen und Kritik bitte an redaktion [@] blatthirsch.at senden.
Vor fünf Jahren lernte ich etwas Besonderes in seiner Essenz kennen. Ich bin Teil von etwas Großem, Teil von einem chaotischen, unkontrollierbaren, unbegreiflichen und dennoch funktionierenden und dadurch umso schöneren, wunderbaren System. Ich bin Teil der Natur!
Kann sein, dass das kitschig ist. Für mich war es einer der schönsten Momente meines Lebens und diese Liebe zur Natur stellt nach wie vor meinen Antrieb zu deren Schutz dar. Doch wo soll mensch beginnen wenn er etwas verändern will? Klimawandel, Artensterben, Ressourcenraubbau, Energieversorgung und Müllproblematik scheinen übermächtig, sind enorm kompliziert und die Lösungen teils noch nicht vorhanden oder sehr schwer realisierbar. Der Widerstand ist groß und die Windmühlen träge. Aber egal. Hauptsache es wird begonnen, habe ich mir gedacht.
Doch gut Ding braucht Weile – und so wurde der Kompass nachhaltig justiert und ein Schritt nach dem anderem gemacht. Oftmals waren es Zufälle oder Kleinigkeiten die große Veränderungen verursachten – ein kleines Buch zum Klimawandel oder eine BBC Dokumentation. Manchmal waren es auch größere Schritte wie die zahlreichen Debatten in denen komplexe Prozesse und deren Zusammenhänge diskutiert wurden oder der Besuch des Elevate Festivals 2009.
Die gewonnenen Erfahrungen wurden parallel dazu schön langsam in den Alltag eingepflegt. Verkauf des Autos, Umstieg auf Bio-Lebensmittel und Mehrwegsysteme. Das Fliegen innerhalb Europas kommt auch nur mehr in Notfällen auf den Tisch – und fällt zumeist gleich wieder unter denselben.
Die Gedankenströme flossen unaufhörlich weiter und mündeten dieses Jahr mit dem „Bock auf Umweltschutz“-Projekt und dem Entschluss Umweltsystemwissenschaften zu studieren im offenen Meer. Das Traum-Schiff – oder eher Floß – mit dem ich mich dabei über Wasser hielt, hieß „do it yourself“ und bekam seinen Namen aus der Überzeugung und dem Wissen heraus, dass der finale Hafen existiert und erreichbar ist.

So wurde nicht nur ein Motivations-Strudel heil überstanden und nur die Klabautermänner wissen wieso es nicht anders kam. Doch ich merkte, dass mit einer größeren Crew noch mehr möglich ist und so begab ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten. So manch anderes Schiff wurde inspiziert, doch meist war die Crew schon etwas angestaubt. Wer gelebte Unabhängigkeit, Offenheit und Menschennähe sucht, hat‘s nicht leicht und so wurde das Schiff auf den Namen „Alpine Geckos“ umgetauft. Soweit alles gut an Bord.
Unsere Intention war eine Bewegung von unten, die kritische Fragen stellt und in der Region agiert und sich positioniert. Denn es schien fast als gäbe es kein Interesse daran sich mit den unbequemen Umweltfragen detailierter auseinander zu setzten. Hier mal eine Photovoltaik-Anlage aufgestellt, dort ein Radfahrweg gebaut ist ja gut, aber bei gleichbleibendem Engagement, werden wir das 2°C des IPCC weit verfehlen.
Global betrachtet steigt die CO2-Belastung immer noch, denn nur all zu oft wird gegenüber vom Radfahrweg ein Einkaufszentrum hingestellt, welches eine viel größere CO2-Belastung in sich trägt, als der Radweg einspart.
Weniger Ölverbrauch, mehr Öffis, weniger Verpackungen, mehr biologischer Anbau, stärkere regionale Strukturen und ein gerechteres globales Handels- und Wirtschaftssystem – oder wir steuern geradewegs auf existenzbedrohende Verhältnisse zu und verwehren unseren nachkommenden Generationen ein lebenswertes Leben. Für mich ist ein grundsätzlicher Lebenswandel unserer Gesellschaft unausweichlich. Fürchten brauchen wir uns dabei nicht, denn ein bewussteres Leben steigert die Lebensqualität.
Stress und Hektik, für uns alltäglich geworden, sind sowohl für den Menschen als auch die Umwelt – und wie wir gerade sehen auch für die Wirtschaft – nicht gesund.
Daher plädoyiere ich für eine freie, offene und vereinte Umweltschutz-Bewegung im Raum Vöcklabruck. Der Bedarf ist da, denn in diesem Jahrzehnt werden auch hier die Grundsteine für die großen Revolutionen der Energieversorgung, der Landwirtschaft und des Verkehrs gelegt. Dazu braucht es eine unabhängige Bewegung von unten, welche sich mit diesen Themen im Interesse der Menschen beschäftigt und eine sachliche Auseinandersetzung mit diesen einfordert. Wie seht ihr das?
Text von Stefan Kasberger
stefan.kasberger [@] alpine-geckos.at
www.alpine-geckos.at
|
|