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Holladero und Bock Ma’s!

Als wir im Februar dieses Jahres bei un­serer Kulturvereins-Vollversammlung beschlossen hatten, dass das heurige Bock Ma’s das letzte werden soll, war es erst mal still in der Runde. Ein langer Prozess war dem voraus gegangen und plötzlich war die Entscheidung da. Schmerzende Nacken, trockene Münder, pfeifende Lun­gen, glasige Augen, betretenes Schweigen – die ganze Palette mit dabei.

Dass sich zwischen der Entscheidung und dem Hier und Jetzt, nämlich wirklich dem letzten Bock Ma’s die Ereignisse noch überschlagen würden, ahnten wir damals natürlich nicht. Aber dazu später noch mehr.

Vorher noch ganz, ganz zurück, näm­lich zum Urknall. Als einen solchen kann nämlich getrost das erste Bock Ma’s („pa­cken wir´s an!“) im Jahr 2005 bezeichnet werden. Als Idee dreier befreundeter Kul­turvereine (Galacticchords aus St. Geor­gen, P.A.G.A.N. aus Frankenburg und die Traumfabrik aus Timelkam) geboren, schlug es bei uns Veranstalter_innen und dem Publikum derart ein, dass klar war, dass das nicht das letzte gewesen sein sollte. Ein Meteorit, wegen dem nachher alle Dinos tot sind, is nix dagegn.
Bock Ma's Konzert
Damit es weitergehen konnte, wurde im Herbst 2005 unser Kulturverein auch richtig ins Leben gerufen – das Sozialfo­rum Freiwerk, das rund um´s Bock Ma’s in all den Jahren gehörig gewachsen ist. Aber auch dazu später noch mehr, Span­nungsbogen und so.

Das erste Bock Ma’s gestaltete sich noch viel kleiner und chaotischer als jetzt. Dann kam das zweite Bock Ma’s, bei dem sich die ersten Know-How-Manifestatio­nen einstellten, wir wurden schlauer. Dann die dritte Runde, die Crew wurde größer, das Festival professioneller, die Stress­resistenz höher, der Spendenertrag hatte sich vervielfacht. Das vierte Bock Ma’s stand bereits im Zeichen von Arbeitsgrup­pen, strukturiertem Projektmanagement und noch mehr Besucher_innen. Das fünfte Bock Ma’ war für uns schon ein kleines Jubiläum, wieder war alles halb­wegs gut gegangen, wieder waren mehr Menschen gekommen, wieder hatten wir neue Herausforderungen gemeistert und noch mehr spenden können.

Und nun haben wir also das sechste und letzte Bock Ma’s. Das letzte ist es, weil die Idee nicht der Routine weichen darf. Weil die Idee auch Respekt ist, den es gegenüber der Natur hier in Altwartenburg zu leben gilt. Weil die Idee andere Projekte geboren hat, denen wir uns nun mehr wid­men können und möchten. Weil die Idee für uns einen Zauber hat, der mit jedem Gewöhnungseffekt weniger wird. Weil die Idee nie die einer Festivalmaschine war und ist.
Bock Ma's Füße
Und was ist die Idee? Da geht’s um Miteinander, DIY-Energie und Gesell­schaftskritik. Da geht’s darum sich nicht den ansozialisierten Horizontschranken hinzugeben. Da geht’s um die Welt, die uns umgibt, sie nicht denen zu überlas­sen, die Angst haben und darauf mit Aus­grenzung reagieren. Da geht’s darum, das Flüchtlingsprojekt von Ute Bock (witziger­weise NICHT an der Namensgebung des Festivals beteiligt) finanziell zu unterstüt­zen, das Menschlichkeit und Menschen­rechte als oberstes Gebot ansieht, was leider all zu oft aus der Mode gekommen ist. Da geht’s darum, ein (das ganze Jahr über) offenes, zu beackerndes Projekt zu sein, das sich auch kritisch mit sich selbst auseinander setzt (ja, wir haben auch miteinander gestritten). Da geht’s darum, weitere Kreise als das eigene Festival und den eigenen Kulturverein zu berühren. Da geht’s um vernetzen, was das Zeug hält. Da geht’s darum, dass auch große Pro­jekte ohne Chef_innen möglich sind. Da geht’s um Spaß, Party und Freude, dies aber gleichzeitig (!) mit kritischen Inputs, mit Denkanstößen und Bewusstseins­erweiterung. Da geht’s darum offen und energisch gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Faschis­mus, Kleingeistigkeit, Engstirnigkeit und Neid aufzutreten. Da geht’s darum, Euch und uns zu motivieren, die Welt, wie sie ist, nicht einfach passiv zu konsumieren sondern sie aktiv mit zu gestalten. DIY eben. Wenn mensch ein Festival aus dem Boden stampfen kann, warum nicht auch ein besseres Miteinander? Und dennoch heißt es hier mal Abschied nehmen. Die Burg ist schlichtweg zu klein, fast am Zer­bröseln und mittlerweile nicht mal mehr reif für eine Veranstaltungsgenehmigung.Und genau wegen dem Sicherheitsaspekt, der u. a. ausschlaggebend für eine Veran­staltungsbewilligung ist, ist das letzte Bock Ma´s nun so, wie Ihr es vor Euch seht. Bei der Burg aber nicht in der Burg, beim Wald, aber nicht im Wald.

Die Entscheidung, das Bock Ma’s auch ohne Burg zu veranstalten, ein Festival auf die Beine zu stellen, dessen Infrastruktur plötzlich völlig anders tickt, das Bock Ma’s im letzten Jahr teilweise neu erfinden zu müssen, fiel uns wahrlich nicht leicht. Schließlich wollten wir uns so, wie Ihr und wir das Bock Ma’s kennen, von all dem verabschieden und schließlich sind drei Wochen kein prickelnder Zeithorizont für ein derartiges Unterfangen! Aber: das Bock Ma’s ist mehr als seine Location. Also JA!, Bock Ma’s auch 2010, auch unter unvorhergesehenen Bedingungen. Wie´s heuer wohl werden wird? Und gibt es für uns (und für Euch, wenn Ihr wollt) ein Kulturarbeitsleben nach dem Bock Ma’s? Ja, das gibt es, keine Sorge. Un­sere anderen Projekte sind gewachsen und werden nun die Aufmerksamkeit kriegen, die sie schon länger verdienen. Unser Online-Vernetzungsprojekt, unser Printmedium Blatthirsch (das Du gerade am Bildschirm siehst), unsere Freien Ra­dio-Sendungen und unser eingereichtes Projekt fürs Festival der Regionen nächstes Jahr in Attnang-Puchheim warten schon auf uns. Alles zu finden auf www.freiwerk.org.

Das, was Ihr und wir beim Bock Ma’s erlebten, erlernten, erarbeiteten, erwirkten und erreichten, nehmen wir dahin mit, das kann uns ja niemensch mehr nehmen.Also. Schön war´s. Danke. Holladero und Bock Ma’s!

Text vom Bock Ma’s Organisationsteam

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