Seit fast drei Jahren studiere ich in Wien. Es gibt vieles, was ich an dieser Stadt sehr zu schätzen weiß. Konzerte, Festivals, Bars, Clubs, Wiener Kaffeehäuser, Heurigen, den Wagenplatz, das WUK, Studentische Protestbewegungen, architektonische Meisterwerke, das Museumsquartier, die vielen Museen, die AugustinverkäuferInnen, den Augustin, den Prater, den Türkenschanzpark, den Augarten, den Brunnenmarkt, den Naschmarkt, den Karmelitermarkt, das Lebensgefühl, das dieser Schmelztiegel von einer Stadt vermittelt, das Wiener Flair. Natürlich ist nicht alles nur super in Wien. Menschen, die aneinander vorbeileben, NachbarInnen, die man nicht kennt, alle sind ständig gestresst. Wenn die U-Bahn an einem heißen Sommertag bis zum Bersten mit Menschen vollgestopft ist, wird man schnell mal auf derb wienerische Art beschimpft, wenn der Rucksack zu viel Platz einnimmt. Dann steigt man aus und wird womöglich noch von unangenehmen Wiener Linien-FahrscheinkontrolleurInnen in die Mangel genommen, gerade an dem Tag, an dem man sein Geldtascherl mit dem Semesterticket drin zu Hause vergessen hat. Wegen Dingen wie diesen und weil ich dort Familie und auch noch einige FreundInnen habe, komm ich immer wieder gern nach Vöcklabruck und erhole mich übers Wochenende von den Strapazen der Großstadt. Ein paar Tage lang ist das sehr erquickend. Dann jedoch, nachdem ich mich wieder mal mit allen, die mir hier wichtig sind, getroffen habe, bin ich meistens schon recht froh, wenn ich wieder rauskomm aus VB.
Nicht weil mir die Stadt nicht gefällt oder weil ich die Leute nicht mag, im Gegenteil, ich fühl mich sehr wohl in meiner Heimatstadt. Der Grund für mein rasch wiederkehrendes Fernweh ist, dass einfach nicht sehr viel los ist, und das was los ist, kenn ich meist schon zur Genüge. Schon klar, mit Wien kann man VB nicht vergleichen. Aber für eine Bezirkshauptstadt mutet es meiner Meinung nach schon etwas armselig an, dass so was wie ein Nachtleben nach wie vor ein toter Tagtraum ist. Wenn man es mal richtig krachen lassen will, muss man mindestens nach Timelkam fahren. Oder von mir aus ins Kakadu, aber das ist halt auch nicht jedermanns Fortgeh-Location. Es tut sich auch viel zu wenig, was das kulturelle Angebot für jüngere Menschen betrifft (z. B. Veranstaltungen abseits vom Mainstream oder Freiräume ohne Konsumzwang). Und wenn Kulturinitiativen von und für junge Menschen aufglimmen, werden sie oft schon im Keim erstickt. Offenes Kulturhaus in der Hatschekstiftung? Bleibt wohl eine Vision, solange gewisse Politiker schwarz sehen.
Um doch nochmal zum Titel dieses Textes zurückzukommen (Ich hab nämlich keine Lust, mir einen neuen einfallen zu lassen)- Was gibt’s jetzt in Vöcklabruck, das es in Vienna City nicht gibt? Recht viel fällt mir da ehrlich gesagt nicht ein. Aber die Nähe zur grünen Natur, die nicht voller Großstadtluft-Flüchtlinge ist, ist schon schön. In der Au oder im Wald, an der Ager oder Vöckla chillen, mit FreundInnen ein Lagerfeuer machen und grillen. Das geht in Wien nicht so einfach und problemlos. Und dass man in VB seine NachbarInnen kennt, find ich eigentlich auch recht nett.
Text von Simon Zauner
