Die Dokumentarfilmreise „Spuren des Widerstands” führt uns ins Salzkammergut und erzählt die Geschichten von Menschen, die Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime leisteten. Dabei stellte sich die Frage: Wieso gerade dort, in den Bergen und Tälern der von den Nationalsozialisten als „Alpenfestung” propagandistisch hochstilisierten Region des inneren Salzkammergutes? Welche Bedingungen mussten vorherrschen, um Widerstand gegen das NS-Regime hervorzubringen? Welche Frauen und Männer waren es, die sich unter Lebensgefahr verborgen hielten, sich verschanzten, wer waren jene, die FreundInnen und KollegInnen schützten, die Waffen, Werkzeug, Lebensmittel organisierten, immer in Gefahr, denunziert, verhaftet, deportiert zu werden?
Einer dieser Menschen, über die unsere Reise berichtet, ist Sepp Plieseis. Der Kommunist und „Rotspanien-Kämpfer” Plieseis gründete nach seiner spektakulären Flucht aus dem KZ Nebenlager Hallein 1943 gemeinsam mit Gleichgesinnten die Widerstandsgruppe „Willy-Fred”, die sich ab 1944 auf den sich abzeichnenden Untergang des Nationalsozialismus und die „Stunde Null” vorbereitete. Die Gruppe verschanzte sich in den Bergen, organisierte sich, hielt Schulungen ab, wurde von Mitwissenden und SympathisantInnen unterstützt und zum überwiegenden Teil von Frauen versorgt. Wenn die Gruppe auf Grund des massiven Verfolgungsdrucks auch keine offensiven, bewaffneten Aktionen setzte und ihre Existenz letztlich nicht kriegsentscheidend war, so steht ihre Geschichte doch paradigmatisch für die Möglichkeit des Auflehnens in einem System, in dem jede Form des Widerstands unmöglich schien. Die Rekonstruktion ihrer Geschichte ist zentrales Motiv unserer filmischen Reise.
Das politisch-gesellschaftliche Leben nach 1945 wurde nicht von den WiderstandkämpferInnen und NS-Opfern dominiert, sondern von der Generation der KriegsteilnehmerInnen und ehemaligen NationalsozialistInnen. Da die „Ehemaligen” naturgemäß wenig bis gar kein Verständnis für den Widerstand hatten, war die Beschäftigung mit dem Widerstand politisch nicht opportun. Heute ist die Haltung der Bevölkerung differenzierter zu sehen: die jüngeren Generationen, die in der zweiten Republik sozialisiert und erzogen worden sind, stehen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus mit überwältigender Mehrheit negativ gegenüber, sie vertreten mehrheitlich die Auffassung, Österreich hätte 1938 Widerstand leisten sollen.
Doch wirft unsere Reise ganz neue, aktuelle Fragen auf: Was bedeutet Widerstand heute? Kann und soll man Widerstandsverhalten gegen den nationalsozialistischen Terrorapparat mit Zivilcourage, mit zivilem Ungehorsam, mit Protestaktionen in einer parlamentarischen Demokratie 70 Jahre danach vergleichen? Wo gibt es Anknüpfungspunkte, wo Unterschiede. Wie wird herrschaftskritisches Verhalten heute bewertet? Welche Formen nimmt es an?
Die filmische Reise wird von unterschiedlichsten ProtagonistInnen begleitet: Historiker (Dr. Gerhard Botz, Dr. Wolfgang Neugebauer) setzen die Regionalgeschichte des Salzkammergutes in einen breiten soziokulturellen und politischen Kontext. ZeitzeugInnen und deren Nachkommen, Wissenschaftler und Intellektuelle (darunter Barbara Frischmuth und Doron Rabinovici) erzählen vom NS-Terror, von den AkteurInnen des Widerstands und den Opfern der Verfolgung in der Region.
Doch begleiten wir überwiegend junge Menschen auf ihrer Suche nach den Geschichten von damals. Sie machen sich Gedanken über eine Vergangenheit, die sie selbst nicht erlebt haben und fragen nach der Bedeutung von Widerstand und der Notwenigkeit von Zivilcourage heute. Auf der Suche nach den „Spuren des Widerstands” wandern sie selten auf ausgetretenen Pfaden.
Wer sind wir?
Regie: Jörg Hartenthaler und Christian Stoppacher.
Wir haben beide die Fachhochschule Salzburg besucht und uns 2004 in Wien gemeinsam mit KollegInnen zu einem Kollektiv für Medien- und Kommunikationsdesign zusammengefunden. Christian arbeitet als Filmemacher, Cutter und freischaffender Grafikdesigner in Wien. Ich studiere neben meinem Job noch Geschichte an der Uni Wien, von dem ich einen Teil an einer Uni in Washington D.C. absolviert habe. Der Dokumentarfilm, an dem wir rund zwei Jahre gearbeitet haben, ist unsere erste gemeinsame filmische Arbeit.
Wie war der Dreh?
Die Drehs waren eigentlich immer eine runde Sache, vor allem, weil die Beteiligten mit großem Engagement dabei waren. Die Leute, Zeitzeugen und ihre Nachkommen, aber auch die jungen Leute, die die Geschichte erwanderten, haben alle sehr engagiert mitgemacht und von ihren Erinnerungen und Erfahrungen bereitwillig erzählt. Man merkt, dass es vielen Leuten – auch jungen – ein Bedürfnis ist, klarzustellen, dass das, was die Widerständler damals getan haben, eine bewundernswerte Sache ist. Heute würden wir allerdings gerade im Hinblick auf den Arbeitsprozess nachher, also in Bezug auf den Filmschnitt, sicher präziser interviewen – vieles von dem, was sich an Material ansammelte, konnten wir dann nicht verwenden, weil es einfach nicht in unser dramaturgisches Konzept passte. Da haben wir im Laufe der Arbeit sehr viel dazu gelernt.
Wie kommt man zu dem Film?
Der Film wird leider (noch) nicht vertrieben. Es wird erstmal noch das eine oder andere Screening des Filmes geben, vor allem in Wien, aber auch im Salzkammergut. Wann der Film wo aufgeführt wird findet man auf der (Website. Sollte es Interesse an einer Vorführung im Raum Vöcklabruck geben, stehen wir interessierten VeranstalterInnen, Kulturinitiativen, KinobetreiberInnen oder dgl. gerne zur Verfügung. Bitte einfach via Email Kontakt aufnehmen. spurendeswiderstands [@] beast.at
spurendeswiderstands.at
Gastartikel von Jörg Hartenthaler
Fotos: spurendeswiderstands.at

