Support CBA

CBA goes Open Source

FACEBOOK

Spuren des Widerstandes

SpurendesWiderstandsPlakat Die Dokumentarfilmreise „Spuren des Widerstands” führt uns ins Salzkam­mergut und erzählt die Geschichten von Menschen, die Widerstand gegen das na­tionalsozialistische Terrorregime leisteten. Dabei stellte sich die Frage: Wieso gerade dort, in den Bergen und Tälern der von den Nationalsozialisten als „Alpenfestung” propagandistisch hochstilisierten Region des inneren Salzkammergutes? Welche Bedingungen mussten vorherrschen, um Widerstand gegen das NS-Regime her­vorzubringen? Welche Frauen und Männer waren es, die sich unter Lebensgefahr verborgen hielten, sich verschanzten, wer waren jene, die FreundInnen und KollegIn­nen schützten, die Waffen, Werkzeug, Le­bensmittel organisierten, immer in Gefahr, denunziert, verhaftet, deportiert zu wer­den?

Einer dieser Menschen, über die un­sere Reise berichtet, ist Sepp Plieseis. Der Kommunist und „Rotspanien-Kämpfer” Plieseis gründete nach seiner spektakulä­ren Flucht aus dem KZ Nebenlager Hallein 1943 gemeinsam mit Gleichgesinnten die Widerstandsgruppe „Willy-Fred”, die sich ab 1944 auf den sich abzeichnenden Un­tergang des Nationalsozialismus und die „Stunde Null” vorbereitete. Die Gruppe verschanzte sich in den Bergen, organi­sierte sich, hielt Schulungen ab, wurde von Mitwissenden und SympathisantInnen unterstützt und zum überwiegenden Teil von Frauen versorgt. Wenn die Gruppe auf Grund des massiven Verfolgungsdrucks auch keine offensiven, bewaffneten Ak­tionen setzte und ihre Existenz letztlich nicht kriegsentscheidend war, so steht ihre Geschichte doch paradigmatisch für die Möglichkeit des Auflehnens in einem Sys­tem, in dem jede Form des Widerstands unmöglich schien. Die Rekonstruktion ih­rer Geschichte ist zentrales Motiv unserer filmischen Reise.

Das politisch-gesellschaftliche Leben nach 1945 wurde nicht von den Wider­standkämpferInnen und NS-Opfern do­miniert, sondern von der Generation der KriegsteilnehmerInnen und ehemaligen NationalsozialistInnen. Da die „Ehemali­gen” naturgemäß wenig bis gar kein Ver­ständnis für den Widerstand hatten, war die Beschäftigung mit dem Widerstand politisch nicht opportun. Heute ist die Haltung der Bevölkerung differenzierter zu sehen: die jüngeren Generationen, die in der zweiten Republik sozialisiert und erzogen worden sind, stehen Nationalso­zialismus, Antisemitismus und Rechtsex­tremismus mit überwältigender Mehrheit negativ gegenüber, sie vertreten mehr­heitlich die Auffassung, Österreich hätte 1938 Widerstand leisten sollen.

SpurendesWiderstands01
Doch wirft unsere Reise ganz neue, aktuelle Fragen auf: Was bedeutet Widerstand heute? Kann und soll man Widerstandsverhalten gegen den nationalsozialistischen Ter­rorapparat mit Zivilcourage, mit zivilem Ungehorsam, mit Protestaktionen in einer parlamentarischen Demokratie 70 Jahre danach vergleichen? Wo gibt es Anknüp­fungspunkte, wo Unterschiede. Wie wird herrschaftskritisches Verhalten heute be­wertet? Welche Formen nimmt es an?

Die filmische Reise wird von unter­schiedlichsten ProtagonistInnen begleitet: Historiker (Dr. Gerhard Botz, Dr. Wolfgang Neugebauer) setzen die Regionalge­schichte des Salzkammergutes in einen breiten soziokulturellen und politischen Kontext. ZeitzeugInnen und deren Nach­kommen, Wissenschaftler und Intellek­tuelle (darunter Barbara Frischmuth und Doron Rabinovici) erzählen vom NS-Terror, von den AkteurInnen des Widerstands und den Opfern der Verfolgung in der Region.

Doch begleiten wir überwiegend junge Menschen auf ihrer Suche nach den Ge­schichten von damals. Sie machen sich Gedanken über eine Vergangenheit, die sie selbst nicht erlebt haben und fragen nach der Bedeutung von Widerstand und der Notwenigkeit von Zivilcourage heute. Auf der Suche nach den „Spuren des Wi­derstands” wandern sie selten auf ausge­tretenen Pfaden.

Wer sind wir?
Regie: Jörg Hartenthaler und Christian Stoppacher.
Wir haben beide die Fachhochschu­le Salzburg besucht und uns 2004 in Wien gemeinsam mit KollegInnen zu einem Kollektiv für Medien- und Kom­munikationsdesign zusammengefunden. Christian arbeitet als Filmemacher, Cutter und freischaffender Grafikdesigner in Wien. Ich studiere neben meinem Job noch Geschichte an der Uni Wien, von dem ich einen Teil an einer Uni in Washington D.C. absolviert habe. Der Dokumentarfilm, an dem wir rund zwei Jahre gearbeitet haben, ist unsere erste gemeinsame filmi­sche Arbeit.

SpurendesWiderstands06

Wie war der Dreh?
Die Drehs waren eigentlich immer eine runde Sache, vor allem, weil die Betei­ligten mit großem Engagement dabei waren. Die Leute, Zeitzeugen und ihre Nachkommen, aber auch die jungen Leute, die die Geschichte erwanderten, haben alle sehr engagiert mitgemacht und von ihren Erinnerungen und Erfah­rungen bereitwillig erzählt. Man merkt, dass es vielen Leuten – auch jungen – ein Bedürfnis ist, klarzustellen, dass das, was die Widerständler damals getan ha­ben, eine bewundernswerte Sache ist. Heute würden wir allerdings gerade im Hinblick auf den Arbeitsprozess nachher, also in Bezug auf den Filmschnitt, sicher präziser interviewen – vieles von dem, was sich an Material ansammelte, konn­ten wir dann nicht verwenden, weil es einfach nicht in unser dramaturgisches Konzept passte. Da haben wir im Laufe der Arbeit sehr viel dazu gelernt.

Wie kommt man zu dem Film?
Der Film wird leider (noch) nicht vertrieben. Es wird erstmal noch das eine oder andere Screening des Filmes geben, vor allem in Wien, aber auch im Salzkammergut. Wann der Film wo aufgeführt wird findet man auf der (Website. Sollte es Interesse an einer Vorführung im Raum Vöcklabruck geben, stehen wir interessierten VeranstalterInnen, Kulturini­tiativen, KinobetreiberInnen oder dgl. ger­ne zur Verfügung. Bitte einfach via Email Kontakt aufnehmen. spurendeswiderstands [@] beast.at
spurendeswiderstands.at

Gastartikel von Jörg Hartenthaler
Fotos: spurendeswiderstands.at

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree