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Der Hirsch ist zurück!
An alle die schon sehnlichst darauf gewartet haben: Der 5. Hirsch wurde endlich aufs Blatt gedruckt! Thema ist dieses Mal der „Blick aus der Ferne“. Die RedakteurInnen haben versucht, Vöcklabruck von außen zu betrachten, zu beschreiben, zu loben und zu kritisieren. Was dabei herausgekommen ist, können Sie selbst nachlesen und … finden.
Zum ersten Mal hat sich in dieser Blatthirschausgabe Mundartredakteur Sebastian Reiner mit einem Gedicht verewigt.
Unser Auslandskorrespondent Johannes Rausch zieht in seinem Kommentar einen Vergleich zwischen Israel und Österreich, Daniela-Katrin Strobl ist hin- und hergerissen zwischen Stadt- und Land-Sehnsucht und Simon Zauner ist mit der (kaum vorhandenen) Förderung der Jugendkultur in Vöcklabruck gänzlich unzufrieden. Der Bad Ischler Maître Maitau begeistert sich in seinem Text für Monokulturen und schöne Bahnstrecken.
Angenehmes Lesen wünscht die Redaktion!
Anregungen und Kritik jeder Art bitte an redaktion [@] blatthirsch.at senden.
Israel ist nicht Österreich. Ganz im Gegenteil. Betrachtungen eines „Ausländers“.
„Where are you from?“: Eine Frage, die man in Israel sehr oft gestellt bekommt. Anders als vielleicht in den USA muss hier jedoch nicht der berühmte Känguru-Sager (Stichwort Australia) bemüht werden, dafür ist die Geschichte dann doch zu präsent. „Ah, Austria, my grandparents are from there.“ Eine Reaktionsmöglichkeit. Die andere: “Oh nice, I was skiing there last winter, in Tyrol.” Man muss wohl nicht extra erwähnen, dass einen die erste Bekundung sprachlos zurück lässt: Wie soll man jetzt darauf reagieren? Um an dieser Stelle übrigens einen bekannten Minderheitskomplex auszuhebeln: Nein, darauf folgt kein „You Austrians are still Nazis!“ oder ähnlich dumme Aussagen. Der erwähnte traurige Fakt ist bloß die einzige Verbindung zu Österreich, manchmal. Und einmal mehr hält man sich jenes blühende jüdische (Groß)Bürgertum Wiens zur Zeit der Jahrhundertwende vor Augen, denkt an „Was wäre jetzt, wenn…“ Optionen und stellt fest, dass man das nicht zu oft tun sollte. Als gesellschaftspolitisch wacher Mensch schlägt sich das nicht positiv auf die Psyche.
Doch kommen wir an dieser Stelle auch zu anderen Aspekten des versuchten Vergleichs Österreich-Israel. Zuerst stellt sich ohnehin die Frage, inwiefern man Länder überhaupt in Zusammenhang stellen, sie vergleichen darf. Doch wenn man schon dreist genug ist, sich für ein Jahr außer Landes zu begeben, sollte man ebenso zu einer fähigen Kontextualisierung bereit sein. Und welchen Sinn hat ein Auslandsaufenthalt denn letztendlich, wenn man sein/ihr Geburtsland nicht ständig zum aktuellen Gastgeberland auf dies und das abklopft?
Nun denn: Israel ist natürlich in ziemlich jeder Hinsicht großartig, vor allem aber fasziniert mich das geschichtlich entwickelte Multikulti Konzept täglich aufs Neue wieder. In einem Bus ist es ganz normal, 5 verschiedene Sprachen zu hören. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern treffen auf einem kleinen Fleck Erde aufeinander, das einzig Verbindende stellt das Judentum dar und selbst das ist enorm heterogen – ein äthiopischer Jude hat mit einem Juden aus Russland nicht derart viel gemein.
Auch ein anderer Aspekt sollte hier erwähnt werden, nämlich jener, wonach Israelis gemeinhin als harsch respektive rüde bezeichnet werden. Jein ist die klare Antwort, denn gewiss wirken Israelis äußerlich – bedingt unter anderem durch historische Ereignisse und die aktuelle politische Situation – eher streng. Doch andererseits greifen sofort 10 Hände nach einer herunter gefallenen Tasche im Bus, der soziale Zusammenhalt quer durch alle Schichten im Alltag ist enorm.
Und gerade als „short time resident“ wie meiner einer spürt man so gut wie überall das entgegen kommende Interesse: So lud mich meine neue Nachbarin schon nach dem ersten Treffen zu einem Shabbat Essen ein ohne mich groß zu kennen, eine andere vertraute mir ihren Wohnungsschlüssel bereits nach kurzer Zeit an.
Auch von demografischer Seite her ist Israel mehr als beeindruckend, so sollen ca. 60 % der BewohnerInnen Tel Avivs unter 30 Jahre alt sein. „Wie die USA, nur kleiner halt“, meine ich immer. Vor allem im Vergleich – hier sind wir wieder beim Thema – mit Österreich bin ich dann kurz etwas konsterniert, ist doch „Good old Austria“ so ziemlich das Gegenteil von allem was Israel darstellt: Ein Pensionistenstaat, der über seine Zukunft in Form von Bildung, Forschung und Jugendlichen mit rümpfender Nase herzieht, aus seiner Geschichte ungern lernt und sich lieber versteckt als selbstbewusst auftritt.
Vielleicht ist gerade aus eben genannten Gründen für einen Ösi Israel so faszinierend, wer weiß. Ob ich an Vöcklabruck – dessen amtierender Bürgermeister es nebenbei als nicht würdig empfand einem Jugendlichen finanziell für seinen Auslandszivildienst unter die Arme zu greifen – übrigens etwas vermisse, wollen hin und wieder Bekannte wissen. Ja, das Teehaus. Sonst? Nada!
Text und Foto von Johannes Rausch
Überrascht? Haben‘s wohl gedacht, der Hirsch kommt gar nimma mehr, was? Blödsinn. Der Winter ist halt nicht unbedingt die Jahreszeit „number one“ für Flugblätter. Für Hirschen übrigens auch nicht, Salzstein schmeckt auf Dauer echt langweilig. Und die Redaktion? Ja, ja die Redaktion. Dekadent wie eh und je die Zeit vertrieben und den Hirschen Hirsch sein lassen. Was so freilich maßlos übertrieben ist. Der Kern der Sache ist nämlich ein anderer und hört auf das kryptische Kürzel „DIY“, was übersetzt soviel bedeutet wie „selbst anpacken“. Was damit gemeint ist? Nun, dieses Flugblatt ist eben das, was die Leute gleichberechtigt draus machen. Und wenn im Extremfall niemand was auf Eigeninitiative macht, dann passiert halt auch nix. Super logisch, gell? Das ist nämlich der Saft, aus dem Demokratie gebraut wird! Ha! Aber das ist selbst (noch) nicht allen RedakteurInnen vollends klar. Interesse – ja wunderbar und trotzdem wird allzu oft danach gefragt: „Passt‘s wenn ich schreibe?“. Aber hallo, selbstverständlich passt‘s – denn wenn‘s nimma passt, dann passt gar nichts mehr in diesem Laden. Zur Erinnerung: der Hirsch ist ein möglichst hierarchiefreies, weil selbstbestimmtes Experiment! Das sei so gesagt, um es mal wieder etwas deftiger uns allen vor den Latz zu knallen. Nur, damit wir uns richtig verstehen, werte/r Leser/in: Spaziergang ist das keiner, den Hebel für sich selbst mal von reagieren auf agieren umzulegen! Also Hut ab, wenn dies Menschen probieren. Und diese Ausgabe ist der lebende Beweis dafür, dass es funktioniert. Nach der „Peitsche“ soll‘s heute eben auch „Zuckerbrot“ geben. Abschließend noch eine Denksportaufgabe: Wie viele Medien kennen Sie, wo so offen Selbstkritik geübt wird?
Verlass die Stadt“ summt es in meinem Kopf und klingt wie eine Aufforderung. Es ist Zeit, Zeit zu gehen, neue Wege einzuschlagen. Und ich versuche mich zu erinnern, was mich hierher geführt hat. Die Stadt. Einen Teil meiner Sehnsucht hat sie immer gestillt, wenn ich früher für ein paar Tage die „Großen“ besuchte. Jene, die schon studieren durften. Jene, die schon selbstbestimmt ihr Leben leben konnten.
Und das wollte ich auch. Das Leben selber leben, gestalten. Nicht Mutter, nicht Vater, nicht Schule – mit Kopfhörern durch die Straßen laufen, dem Winde trotzen – der Wien immer schon durchfegte – und mich frei fühlen. Und wenn jene Begeisterung längst nicht mehr überrascht, so gibt es doch Momente, in denen ich aus dem Zug steige und auf dem Weg zur U-Bahn ein Bauchkribbeln beginnt, das mir sagt: „Es lässt sich wieder atmen.“
Das mag wie ein Widerspruch wirken, so ist es doch die Landesluft, die mir viel besser bekommt. Aber es liegt auch etwas in der Luft am Land, das von Enge und Starrheit spricht. Und so werde ich dort jedes Mal zur Suchenden, suchend der Beklemmung zu entfliehen. Findend meist in der Natur, dem Wald, dem See, den Wiesen. Findend auch in kleinen Höhlen – Oasen – bewohnt, belebt von Menschen, die ähnliches empfinden. Und wo ich finde, da fühle ich Heimat, Zuhause. Und ein anderer Teil meiner Sehnsucht singt vom sich niederlassen, vom Bleiben.
Aber JA, ich weiß genau, was mich in die Stadt geführt hat. Ich atme tief durch und laufe auf die Straße, um es noch einmal deutlicher zu spüren. Und ich seufze und spüre in mir auch das Weh der anderen Heimat, und trage es wie einen Schatz bei mir, bis es Zeit wird ihm nachzugehen. Nun aber führen mich die Wege noch woanders hin, und bedeuten nicht unbedingt Ortswechsel, viel mehr neue Orientierung.
Ja, es ist Zeit. Zeit einen neuen Weg zu gehen.
Text von Daniela-Katrin Strobl
Die Dokumentarfilmreise „ Spuren des Widerstands” führt uns ins Salzkammergut und erzählt die Geschichten von Menschen, die Widerstand gegen das nationalsozialistische Terrorregime leisteten. Dabei stellte sich die Frage: Wieso gerade dort, in den Bergen und Tälern der von den Nationalsozialisten als „Alpenfestung” propagandistisch hochstilisierten Region des inneren Salzkammergutes? Welche Bedingungen mussten vorherrschen, um Widerstand gegen das NS-Regime hervorzubringen? Welche Frauen und Männer waren es, die sich unter Lebensgefahr verborgen hielten, sich verschanzten, wer waren jene, die FreundInnen und KollegInnen schützten, die Waffen, Werkzeug, Lebensmittel organisierten, immer in Gefahr, denunziert, verhaftet, deportiert zu werden?
Einer dieser Menschen, über die unsere Reise berichtet, ist Sepp Plieseis. Der Kommunist und „Rotspanien-Kämpfer” Plieseis gründete nach seiner spektakulären Flucht aus dem KZ Nebenlager Hallein 1943 gemeinsam mit Gleichgesinnten die Widerstandsgruppe „Willy-Fred”, die sich ab 1944 auf den sich abzeichnenden Untergang des Nationalsozialismus und die „Stunde Null” vorbereitete. Die Gruppe verschanzte sich in den Bergen, organisierte sich, hielt Schulungen ab, wurde von Mitwissenden und SympathisantInnen unterstützt und zum überwiegenden Teil von Frauen versorgt. Wenn die Gruppe auf Grund des massiven Verfolgungsdrucks auch keine offensiven, bewaffneten Aktionen setzte und ihre Existenz letztlich nicht kriegsentscheidend war, so steht ihre Geschichte doch paradigmatisch für die Möglichkeit des Auflehnens in einem System, in dem jede Form des Widerstands unmöglich schien. Die Rekonstruktion ihrer Geschichte ist zentrales Motiv unserer filmischen Reise.
Das politisch-gesellschaftliche Leben nach 1945 wurde nicht von den WiderstandkämpferInnen und NS-Opfern dominiert, sondern von der Generation der KriegsteilnehmerInnen und ehemaligen NationalsozialistInnen. Da die „Ehemaligen” naturgemäß wenig bis gar kein Verständnis für den Widerstand hatten, war die Beschäftigung mit dem Widerstand politisch nicht opportun. Heute ist die Haltung der Bevölkerung differenzierter zu sehen: die jüngeren Generationen, die in der zweiten Republik sozialisiert und erzogen worden sind, stehen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus mit überwältigender Mehrheit negativ gegenüber, sie vertreten mehrheitlich die Auffassung, Österreich hätte 1938 Widerstand leisten sollen.
Doch wirft unsere Reise ganz neue, aktuelle Fragen auf: Was bedeutet Widerstand heute? Kann und soll man Widerstandsverhalten gegen den nationalsozialistischen Terrorapparat mit Zivilcourage, mit zivilem Ungehorsam, mit Protestaktionen in einer parlamentarischen Demokratie 70 Jahre danach vergleichen? Wo gibt es Anknüpfungspunkte, wo Unterschiede. Wie wird herrschaftskritisches Verhalten heute bewertet? Welche Formen nimmt es an?
Die filmische Reise wird von unterschiedlichsten ProtagonistInnen begleitet: Historiker (Dr. Gerhard Botz, Dr. Wolfgang Neugebauer) setzen die Regionalgeschichte des Salzkammergutes in einen breiten soziokulturellen und politischen Kontext. ZeitzeugInnen und deren Nachkommen, Wissenschaftler und Intellektuelle (darunter Barbara Frischmuth und Doron Rabinovici) erzählen vom NS-Terror, von den AkteurInnen des Widerstands und den Opfern der Verfolgung in der Region.
Doch begleiten wir überwiegend junge Menschen auf ihrer Suche nach den Geschichten von damals. Sie machen sich Gedanken über eine Vergangenheit, die sie selbst nicht erlebt haben und fragen nach der Bedeutung von Widerstand und der Notwenigkeit von Zivilcourage heute. Auf der Suche nach den „Spuren des Widerstands” wandern sie selten auf ausgetretenen Pfaden.
Wer sind wir?
Regie: Jörg Hartenthaler und Christian Stoppacher.
Wir haben beide die Fachhochschule Salzburg besucht und uns 2004 in Wien gemeinsam mit KollegInnen zu einem Kollektiv für Medien- und Kommunikationsdesign zusammengefunden. Christian arbeitet als Filmemacher, Cutter und freischaffender Grafikdesigner in Wien. Ich studiere neben meinem Job noch Geschichte an der Uni Wien, von dem ich einen Teil an einer Uni in Washington D.C. absolviert habe. Der Dokumentarfilm, an dem wir rund zwei Jahre gearbeitet haben, ist unsere erste gemeinsame filmische Arbeit.
Wie war der Dreh?
Die Drehs waren eigentlich immer eine runde Sache, vor allem, weil die Beteiligten mit großem Engagement dabei waren. Die Leute, Zeitzeugen und ihre Nachkommen, aber auch die jungen Leute, die die Geschichte erwanderten, haben alle sehr engagiert mitgemacht und von ihren Erinnerungen und Erfahrungen bereitwillig erzählt. Man merkt, dass es vielen Leuten – auch jungen – ein Bedürfnis ist, klarzustellen, dass das, was die Widerständler damals getan haben, eine bewundernswerte Sache ist. Heute würden wir allerdings gerade im Hinblick auf den Arbeitsprozess nachher, also in Bezug auf den Filmschnitt, sicher präziser interviewen – vieles von dem, was sich an Material ansammelte, konnten wir dann nicht verwenden, weil es einfach nicht in unser dramaturgisches Konzept passte. Da haben wir im Laufe der Arbeit sehr viel dazu gelernt.
Wie kommt man zu dem Film?
Der Film wird leider (noch) nicht vertrieben. Es wird erstmal noch das eine oder andere Screening des Filmes geben, vor allem in Wien, aber auch im Salzkammergut. Wann der Film wo aufgeführt wird findet man auf der (Website. Sollte es Interesse an einer Vorführung im Raum Vöcklabruck geben, stehen wir interessierten VeranstalterInnen, Kulturinitiativen, KinobetreiberInnen oder dgl. gerne zur Verfügung. Bitte einfach via Email Kontakt aufnehmen. spurendeswiderstands [@] beast.at
spurendeswiderstands.at
Gastartikel von Jörg Hartenthaler
Fotos: spurendeswiderstands.at
ois gibts… außa gliarade eiszopfn
ois gibts… außa fliagade schweindl und rosane elefontn
ois gibts… außa drochn, di seifnblosn schpuckn
ois gibts… außa a schtod volla bladln
ois gibts… außa gnuag plotz und essn füa jedn
ois gibts… außa an sotz one end
ois gibts… außa scheahaufn auf da donau und biinensteeg in da vöckla
woss ois net gibt…
i moa i mecht do hi ins net, ins außa.
Gedicht von Sebastian Reiner
Ein Bad Ischler fährt nicht unbedingt nach Vöcklabruck. Keine Berge, dafür drei Ampeln, Verkehr und viel Wind. Das ist die ehrliche, geradlinige und einfache Meinung der BergbewohnerInnen, die selten einen Blick auf die weite Welt hinter den Bergen werfen.
Natürlich ist Vöcklabruck mehr. Vöcklabruck liegt am Hausruck. Herrliche Waldlungen, immense Monokulturen, Feldwege in alle Richtungen. Eine der wohl schönsten Bahnstrecken führt von Attnang über den Hausruck nach Eberschwang im Innviertel und einer der verlassensten Bahnhöfe Oberösterreichs befindet sich in Holzleithen. Hier steht die Zeit still.
Und gleichzeitig dreht sich die Welt weiter, schreitet die Zeit in Siebenmeilenstiefeln voran. Denken wir an die Kulturarbeit in Vöcklabruck, dann denken wir an zeitgemäße Angebote, die in den Regionen nicht selbstverständlich sind. Hier wird nicht reproduziert, hier werden eigenwillige, originelle Wege gegangen. Kulturarbeit hat an der Vöckla mit politischer Bildung zu tun. Und genau das brauchen die Regionen. Auseinandersetzung, Diskurs und Kontroverse statt Resignation und Abwanderung.
Vom Hausruck kommen viele Bäche, darin schwimmen Fische und nicht alle schwimmen mit dem großen Strom nach Wien und werden Tunnelmenschen, LuftbewohnerInnen.
Kolumne von M. Maitau
On the Road“ ist ein Buch, dessen Titel mein Leben gerade trefflichst beschreibt. Zwischen meinem Roadtrip durch den Südwesten der USA, der Winter-Saison in Lech am Arlberg, dem nun folgendem Studium in Graz und vielen kleinen Berg-Touren in Österreich ist Vöcklabruck noch immer mein Rückzugspunkt, mein Zuhause. Noch.
Mein Bezug zu Vöcklabruck ändert sich nach jeder Rückkehr immer wieder, aber es ist ein Trend bemerkbar. Zumeist freue ich mich auf das Selbe, mein gemütliches Wohnzimmer, meine Familie und die wenigen FreundInnen die im Bezirk verblieben sind, aufs Fortgehen und die schöne Natur, welche mit dem Attersee und Höllengebirge keine Wünsche offen lässt. Es sind die Dinge die ich früher nie gesehen habe, da sie selbstverständlich für mich waren. Nach zwei Monaten im Zelt in der Wüste von Utah und Arizona ist aber die „Selbstverständlichkeit“ schnell eine andere und die viel gerühmten Kleinigkeiten werden zu Luxusgegenständen. Eine Couch oder die Dusche seien hier nur kurz in den Raum geworfen, denn solche nostalgischen Reisegeschichten haben andere schon viel besser nieder geschrieben und erzählt.
Vor allem die Natur und die Ruhe zu Hause werden von Reise zu Reise schöner. Als ich gerade von Lech zurück kam, begeisterten mich die grünen Wiesen und der klare Attersee wie nie zuvor. Die Gedanken und Bilder verblassen und so passiert es, dass man das eigene Zuhause kurz als fremde, neue Gegend wahrnimmt. Soweit meine Perspektive als reisender Heimkehrer. Die des in Vöcklamarkt lebenden Mittzwanzigers ist weniger idyllisch und so werden die ersten Eindrücke zum Selbstverständlichen und der triste Alltag überschattet bald wieder die eben genannten Vorteile. Bei der Suche nach Gelegenheiten zum Ausgehen, wo ich den Puls der Zeit erfassen, genießen und beobachten kann, resigniere ich immer schneller. Hier tut sich der große Schwachpunkt Vöcklabrucks auf.
Ausgehen für junge Kulturinteressierte ist bis auf wenige Ausnahmen kaum interessant. Es gibt keine Örtlichkeit, welche sich dieser Szene annimmt, das Teehaus war einst so ein Raum. Und so vertreibt man sich die Zeit zu Hause alleine am Computer oder sitzt mit seinen FreundInnen zusammen. Nichts Schlechtes, doch der Austausch von Gedanken beschränkt sich dabei auf das immer wieder kehrende Einerlei, Inspirationen und Neues sind rar.
Doch wieso ist das so? Initiativen gibt es zur Zeit genug, Ideen auch, aber die Kulturpolitik und insbesondere das Unvermögen – oder ist es der Unwille? – eine Schaffungsstätte für zeitgenössische Kunst und Kultur im Raum Vöcklabruck zu ermöglichen ist bei mir mittlerweile nur mehr mit dem Gefühl der Wut verbunden. Das Konsumentendasein wird gefördert, fokussiert, subtil einprogrammiert und was sonst noch, der ach so notwendige Freiraum für Jugendliche und Junggebliebene wird dagegen immer rarer. Eine Saat die langfristig keine guten Ernte einbringen wird. Darum pilgere ich regelmäßig in die Kultur-Wallfahrtsorte Österreichs nach Graz und Wien, und weil dort die Exil-VöcklabruckerInnen wohnen. Es ist klar, dass es nicht das Ziel Vöcklabrucks sein kann sich mit diesen Städten zu messen, doch dies als Ausrede für die stattfindende Leblosigkeit in Sachen Kultur und Kunst, insbesondere zeitgenössischer, zu verwenden, lasse ich nicht gelten. Und ich höre schon wieder die Stimmen der Politiker, die dies zu verantworten haben, in meinem Kopf. „Wir müssen doch nicht so viel in Kunst und Kultur für Junge investieren, die sollen doch raus gehen und Fußball spielen oder wandern“. So oder so ähnlich könnten ihre Gedanken lauten.
Schade, denn es müsste nicht so sein. Der Großraum Vöcklabruck bietet unglaubliche Chancen die in dieser Kombination nur selten sind. Die schöne Landschaft diente schon vielen großen KünstlerInnen als Inspiration und die geografische Lage als Rastplatz zwischen Linz und Salzburg und Anschlusspunkt ins Salzkammergut könnte mit frischen Konzepten den kulturellen Austausch fördern und somit unmessbaren Mehrwert für die Region bieten.
Also lasst uns nicht auf der Untätigkeit der Politik verharren, sondern selber anpacken.
Text von Stefan Kasberger
Seit fast drei Jahren studiere ich in Wien. Es gibt vieles, was ich an dieser Stadt sehr zu schätzen weiß. Konzerte, Festivals, Bars, Clubs, Wiener Kaffeehäuser, Heurigen, den Wagenplatz, das WUK, Studentische Protestbewegungen, architektonische Meisterwerke, das Museumsquartier, die vielen Museen, die AugustinverkäuferInnen, den Augustin, den Prater, den Türkenschanzpark, den Augarten, den Brunnenmarkt, den Naschmarkt, den Karmelitermarkt, das Lebensgefühl, das dieser Schmelztiegel von einer Stadt vermittelt, das Wiener Flair. Natürlich ist nicht alles nur super in Wien. Menschen, die aneinander vorbeileben, NachbarInnen, die man nicht kennt, alle sind ständig gestresst. Wenn die U-Bahn an einem heißen Sommertag bis zum Bersten mit Menschen vollgestopft ist, wird man schnell mal auf derb wienerische Art beschimpft, wenn der Rucksack zu viel Platz einnimmt. Dann steigt man aus und wird womöglich noch von unangenehmen Wiener Linien-FahrscheinkontrolleurInnen in die Mangel genommen, gerade an dem Tag, an dem man sein Geldtascherl mit dem Semesterticket drin zu Hause vergessen hat. Wegen Dingen wie diesen und weil ich dort Familie und auch noch einige FreundInnen habe, komm ich immer wieder gern nach Vöcklabruck und erhole mich übers Wochenende von den Strapazen der Großstadt. Ein paar Tage lang ist das sehr erquickend. Dann jedoch, nachdem ich mich wieder mal mit allen, die mir hier wichtig sind, getroffen habe, bin ich meistens schon recht froh, wenn ich wieder rauskomm aus VB.
Nicht weil mir die Stadt nicht gefällt oder weil ich die Leute nicht mag, im Gegenteil, ich fühl mich sehr wohl in meiner Heimatstadt. Der Grund für mein rasch wiederkehrendes Fernweh ist, dass einfach nicht sehr viel los ist, und das was los ist, kenn ich meist schon zur Genüge. Schon klar, mit Wien kann man VB nicht vergleichen. Aber für eine Bezirkshauptstadt mutet es meiner Meinung nach schon etwas armselig an, dass so was wie ein Nachtleben nach wie vor ein toter Tagtraum ist. Wenn man es mal richtig krachen lassen will, muss man mindestens nach Timelkam fahren. Oder von mir aus ins Kakadu, aber das ist halt auch nicht jedermanns Fortgeh-Location. Es tut sich auch viel zu wenig, was das kulturelle Angebot für jüngere Menschen betrifft (z. B. Veranstaltungen abseits vom Mainstream oder Freiräume ohne Konsumzwang). Und wenn Kulturinitiativen von und für junge Menschen aufglimmen, werden sie oft schon im Keim erstickt. Offenes Kulturhaus in der Hatschekstiftung? Bleibt wohl eine Vision, solange gewisse Politiker schwarz sehen.
Um doch nochmal zum Titel dieses Textes zurückzukommen (Ich hab nämlich keine Lust, mir einen neuen einfallen zu lassen)- Was gibt’s jetzt in Vöcklabruck, das es in Vienna City nicht gibt? Recht viel fällt mir da ehrlich gesagt nicht ein. Aber die Nähe zur grünen Natur, die nicht voller Großstadtluft-Flüchtlinge ist, ist schon schön. In der Au oder im Wald, an der Ager oder Vöckla chillen, mit FreundInnen ein Lagerfeuer machen und grillen. Das geht in Wien nicht so einfach und problemlos. Und dass man in VB seine NachbarInnen kennt, find ich eigentlich auch recht nett.
Text von Simon Zauner
GUT
OTELO startet durch
Das „Offene Technologie Labor – OTELO“ hat sich im Februar in der alten Landesmusikschule eingenistet und fühlt sich sichtlich wohl: Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Radionest eingerichtet und neue „Nodes“ stehen schon auf der Matte. Ein positives Beispiel dafür, wie die Stadt durch das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten die Kreativität und Eigeninitiative der Bevölkerung unterstützen kann! Weiter so!
otelo.or.at
facebook.com/radionestvb
BÖSE
Kulturhaus auf Eis gelegt
Kulturschaffende in und um Vöcklabruck ringen seit 20 Jahren um ein Dach über dem Kopf und bleiben trotz tausender ehrenamtlicher Stunden weiterhin im Regen stehen. Die leeren Gemeindekassen sind jetzt ein gutes Argument, die Bestrebungen für die nächsten Jahre auf Eis zu legen. Es darf angenommen werden, dass dieses Projekt eine weitere Generation an KultureisbrecherInnen beschäftigen wird.
kulturhaus-vb.org
facebook.com/kulturhausvb
JENSEITS
Vöcklabruck – Stadt der Gangster?
Es war ja bloß eine Frage der Zeit bis V’Brooklyn auch seine eigenen Vorstadt Gangster hervorbringt. Einer von ihnen nennt sich „C-A-P“ und rappt zu fetten Hip Hop Beats „1-2-3 Vöcklabruck – die Stadt der Gangster“ ins Mikrofon. Gut, die Stadt an der Vöckla hat jede Menge aufmüpfige Jugendkultur nötig, aber bitte nicht jene von „C-A-P“: zu hören gibt’s nämlich die volle Sexismus Dröhnung gepaart mit komplettem Schwachsinn. So jenseitig, dass der Gangster den Song schließlich auch selbst von Youtube wieder entfernt hat. Ist auch besser so!
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